Meine Zahnarztbesuch: (Nicht) das Gelbe vom Ei

Moin.

Für gewöhnlich hätte ich folgende Geschichte in meiner Kolumne in der topagrar wiedergegeben. Diese ist nach zwölf Monaten Laufzeit nun aber leider vorbei und deshalb gibt es meine Stories mit Analogien zur Landwirtschaft jetzt hier aufm Blog.

Diese Geschichte widme ich meiner Oma, meinem Vorbild und meinem größten Fan in Personalunion. Sie hat sich jede Kolumne im letzten Jahr ausgeschnitten und stolz ihren Freundinnen vorgelegt. Oma, die Story ist für dich! <3

Es ist Montagmorgen und ich habe einen Zahnarzttermin. Unser Dorfzahnarzt nimmt heute Abdrücke von meinen Beißerchen. Ich bekomme nämlich eine Schiene, na gut zwei. Allerdings nicht zum geraderücken oder gegens Schnarchen, sondern zum Bleachen. Pardon, bleichen. In Nordfriesland sagt man bleichen. Er holt also diese Untertassengroßen Metallteller zum Abdruck nehmen aus seinem Schrank und packt mir diese samt lilaner Masse in den Mund. Ich sach ma so: Gibt schöneres. Während ich da so verweile, erklärt er der Angestellten seine Vorgehensweise. Die ist aber nicht ganz neu in der Praxis. Ich komme mir also vor wie die erste Patentin seit der Wende (Übertreibung!), die sich dort die Zähne bleachen bleichen lassen möchte.

Nach der Abdrückerei folgt dann ein Move vom Zahnarzt – Berufschullehrer aufgepasst! – der in jeden Marketingunterricht für Zahnärzte mit aufgenommen werden sollte: Er öffnet seine Schublade mit den Worten: „Achja, wir wollen noch flott die Zahnfarbe feststellen, um den Erfolg zu messen.“ In der Schublade liegen mehrere Karteikarten, an denen Zähne kleben. Vom blendenden Nadja-ab-del-Farag-Weiß bis hin zum sanften pissgelb – alles dabei. Er blickt noch einmal auf mein Gebiss und greift beherzt – na ihr könnt es euch denken – zur Karte mit den pissgelbenen Zähnen. Jegliche Zweifel, ob ich wirklich meine Zähne bleachen müsse sind sofort ausgeräumt. Mit diesem nonverbalen Schlag in die Fresse (pardon, Wortwahl) verlasse ich den Arzt.

Im Auto klingelt dann mein Telefon. Es ist Aurelia, meine Freundin und Kollegin. Ich berichte ihr von dem eben Erlebten und sie schmunzelt. „Weißt du, woran mich das erinnert?“ – „Ne?!“ – „An die Eigelbkarte der Hühnerbauern.“ Die Aussage bedarf einer Erklärung: Die Landwirte haben eine Karte mit der sie die Farbe des Eigelbes bestimmen können. Diese geht von 1 bis 15, wobei 15 dunkelorange ist. Wie gelb das Eigelb wird, ist einzig und alleine von den über das Futter aufgenommenen Farbstoffen abhängig. Welche Eigelbfarbe als besonders angenehm empfunden wird, hängt übrigens ganz vom jeweiligen Wohnort ab. Je nach Region mögen die Deutschen ihr Ei unterschiedlich. Im Norden mögen es die Deutschen gerne schön gelb, im Süden lieber gold-orange! Bei Bioeiern ist das Dotter generell heller, Farbstoffzusätze im Futter sind für Biohennen nämlich tabu.

Hättet ihr das gewusst? Ich werde auf jeden Fall das nächste Frühstücksei mal an meine Zähne halten. Oder die Eigelb-Skala mal mitnehmen zum Zahnarzt. Dafür muss ich dann nur die Eier haben.

Eure Deichdeern

One comment Add yours
  1. Wieder was gelernt. Wir halten selbst auch Hühner und deren Eidotter ist, weil wegen Bio, ziemlich hell, fast so wie mein Esszimmer. 😬
    Ich könnte trotzdem mal zum bleichen, kann ja nicht schaden.
    In diesem Sinne… kraftvoll zubeißen…in die frisch vom Baum gepflückte Birne. Die sind nämlich endlich reif und auch Bio.

    Moin und munter ☝️

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