Mein Tipp fürs Wochenende: Tage der Industriekultur am Wasser

Werbung für die Tage der Industriekultur am Wasser am 28./29. September 2019

Moin!

Ich möchte euch eine Veranstaltung ans Herz legen. Na gut, genauer gesagt 123 Veranstaltungen – denn das ist die Zahl der historsischen Industrieanlagen, die bei den Tagen der Industriekultur am Wasser jetzt am Wochenende (28./29.9.) teilnehmen. Es wird jede Menge geboten: Führungen und Vorführungen, Besichtigungen und Mitmachaktionen erklären die historische Technik und Arbeitswelt. Das Angebot ist vielfältig und umfasst Aktivitäten für Technikbegeisterte, für Kulturliebhaber und Familien. Veranstaltet werden die Tage von der Metropolregion Hamburg – und genau dort spielt es sich auch ab.

Angebote in der gesamten Metropolregion

Von Kiel bis Rostock und von Cuxhaven bis nach Bad Fallingbostel – überall gibt es „Industriekulturen“, sprich Schleusen, Wassertürme, Fabriken, Werften, Brücken, Kraftwerke, Silos, Schiffe, u.v.m., die besichtigt werden können. Viele unbekannte Schätze, aber auch Klassiker öffnen an diesem Wochenende ihre Tore, zeigen ihre Technik und erzählen ihre Geschichte, in der immer wieder das Wasser eine Hauptrolle spielt. Wenn ihr also dieses Wochenenende in der Metropolregion unterwegs seid und noch ein Ausflugsziel sucht, dann seid ihr hier genau richtig. Ich hab das Programm für euch mal ein wenig durchforstet und ein paar Highlights rausgepickt.

Leinen los!

Museumshafen Lübeck und meine Beziehung zur „Johanne“

Den Anfang macht der Museumshafen in Lübeck. Ich gebe zu, ich habe hierzu eine besondere Beziehung, weil dort das Segelschiff „Johanne“ liegt. Johanne war allerdings nicht immer ein Segelschiff, sondern schipperte als Binnenschiff (damals noch länger) jahrelang bis Mitte der 80er Getreide und andere Rohwaren vom Hamburger Hafen nach Kellinghusen – zu meinem Elternhaus. Ein paar von euch wissen es vielleicht noch. Ich bin ja im Landhandel groß geworden – und da kam früher nun mal alles per Schiff bevor alles auf Schiene und später dann nur noch auf LKW umgerüstet wurde. Die AWO hat die „Johanne“ gekauft und daraus ein Projekt für Langzeitarbeitslose und abhängigkeitserkrankte Menschen entstehen lassen. In mühevoller Kleinstarbeit wurde der Zweimaster zum Segelschiff zurückgebaut und liegt bis heute im Museumshafen in Lübeck.

Meine Mama und der Kapitän der „Johanne“ erzählen sich Anekdoten von früher. Meine Mutter kann sich noch gut erinnern, wie einmal die Woche ein Schiff aus Hamburg kam.

2015 hatte ich mit meiner Mama die Gelegenheit nochmal mit der „Johanne“ zu fahren. Von Glückstadt über die Störmündung in Wewesfleth bis nach Brunsbüttel – vier Stunden bei herrlichem Sonnenschein. Da ich davon noch Bilder habe und total gern an diesen sonnigen Augusttag zurück denke, möchte ich diesen Artikel gern mit Bildern von dem Trip untermalen.

Windschöpfmühle in Honigfleth/Kreis Steinburg

Dort, wo auch die tiefste Landstelle Deutschlands zuhause ist – in der Wilstermarsch – kann die Mühle in Honigfleth besichtigt werden. Früher waren in der Region bis zu 350 windgetriebene Schöpfmühlen im Einsatz, um das unter dem Meeresspiegel gelegene Land zu entwässern. Wahnsinn! Ich bin ein großer Fan der Wilstermarsch – nicht nur von dem Käse, auch von den Menschen der Region! Die Bauern sind hier richtig kernig. Oft und gern bin ich mit meinem Vater oder Bruder mit dem LKW oder Unimog in die Wilstermarsch gefahren, um dort Kraftfutter auszuliefern. Fast alle Höfe sind aufgrund der nassen Marsch auf Pfählen gerammt, weil sie sonst absacken würden. Das hatte einen Nachteil: Für uns als Auslieferer bedeutete das, das nur die erfahrensten Fahrer in die Region durften, um den Bauern Schrot zu bringen, weil die Hofplätze oftmals sehr klein gehalten sind und so wenig Rangierfläche vorhanden ist. Lässig wenden in 18 Zügen – wenn ihr versteht was ich meine.

Foto: Förderverein Bockmühle in Honigfleth e.V.

Schleuse in Brunsbüttel/Kreis Dithmarschen

Die einzige natürliche Passage zwischen Nord- und Ostsee liegt zwischen Dänemark und Schweden. Die Seefahrer sehnten sich stets nach einer Abkürzung – und sie kam: Seit 1895 existiert der Nord-Ostsee-Kanal (NOK) zwischen Kiel-Holtenau und Brunsbüttel an der Elbe. Mit ihm sparen die Schiffe einen bis zu 900 Kilometer langen Umweg ein. Zum Ausgleich der Pegel zwischen Ostsee und Elbe erhielt der NOK jeweils eine Doppelschleuse an seinen Enden, deren Kammern mit Stemmtoren verschlossen werden. Die unter Wasser auf Schienen laufenden Schiebetore der neuen Schleusen sind verschlissen. Deshalb bekommt Brunsbüttel bis etwa 2021 eine fünfte Schleusenkammer und eine alte Schleuse wird saniert. Es gibt also ordentlich was zu gucken!

Die Brunsbüttler Schleuse vom Wasser aus betrachtet. Hinter ihr fängt der Nord-Ostsee-Kanal an.

Ich finde, Schleusen haben ihren ganz eigenen Charme. Als Kind und auch später als Motorradfahrerin bin ich oft an die Brunsbüttler Schleuse gefahren. Eis essen – Pötte gucken. Da kann ich heute noch den ganzen Tag bei zusehen. Mein persönliches Highlight war dort auch mit der oben erwähnten „Johanne“ selbst einmal durchzuschippern. Wahnsinn, was dort für Wassermengen bewegt werden.

Hier gibt es die Gesamtübersicht

Das waren meine drei persönlichen Highlights. Besichtigen werde ich den Getreidesilo Hammerbrook und, wenn alles klappt, dann geht es am Sonntag in die Wilstermarsch (Honigfleth) und nach Itzehoe zum Zementwerk Alsen und/oder ins Kreismuseum Prinzesshof. Dort gibt es „Beton-Gießen für Kinder“ – Nicht, dass wir das zuhause nicht auch schon zu genüge täten. Hah! Das Programm steht übrigens in dem Flyer. Diesen könnt ihr auf der Homepage direkt runterladen. Ich persönlich finde ihn noch schöner als die interaktive Karte.

Für die alten Hasen: Was ist neu dabei?

Da das ja schon die fünften Tage der Industriekultur am Wasser sind, dachte ich, ich nenne den erfahrenen Hasen unter euch mal die Neuheiten in diesem Jahr. Neu dabei sind u.a. zwei Getreidespeicher in Wismar und Hamburg, das Wasserkraftwerk Zülow in Sternberg, die Kettenfähre Fischerhütte am Nord-Ostsee-Kanal und die Ostebrücken in Hechthausen. In Hamburg werden erstmals der Hafen in Altona, die Sammlung von historischen Hafenbahnfahrzeugen und der Alsterdampfer »St. Georg« vorgestellt. In Lübeck präsentiert die Geschichtswerkstatt Herrenwyk die Relikte des benachbarten Hüttenwerkes, Künstler informieren über das Alte Wasserwerk Neumühle in Schwerin. Neu mit dabei ist auch das Maritime Traditionszentrum in Wismar.

So, jetzt bin ich gespannt. Welches Ziel spricht euch besonders an? Schreibt es mir gern in die Kommentare! Ein schönes Wochenende für euch – und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel!

Eure Deichdeern

Für mehr Transparenz: Dieser Beitrag ist in Kooperation mit der Metropolregion Hamburg entstanden. Ich freue mich, dass sie auf mich zugekommen sind für diesen Beitrag, hätte die Industrietage aber auch so wahrgenommen. Ein tolles Format, wie ich finde! Danke für die tolle Zusammenarbeit.

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