Ein Liebesbrief ans Internet

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Auf der Blogst, einer Blogger-Konferenz, in Berlin hat mein lieber Freund Lutz ein Liebesbrief ans Internet vorgetragen. Ich bin emotional noch so geflasht von seinen Zeilen, dass ich den Aufruf #fürmehrLiebeindiesemInternet einfach befolgen muss und auch einen persönlichen Liebesbrief an „dieses Internet“, mein Internet, schreibe.

Liebes Internet,

heute ist Valentinstag und alle bekommen Blumen, Pralinen oder nette Worte. Fast alle, denn an dich denkt niemand. Ich konsumiere dich täglich und doch komme ich nie dazu dir einmal zu danken. Das hole ich jetzt nach.

Kennengelernt haben wir uns damals bei meiner Freundin Katharina im Keller. Das war 1998. Ihr Vater hatte „dieses Internet“. Mittels eines zwölfstelligen Zahlencodes musste man sich bei dir „anmelden“. Manchmal hast du die Tür, bzw. ein Fenster (Achtung, Schenkelklopfer) geöffnet, manchmal auch nicht. Wir fanden es aber nicht schlimm. Du hattest einfach Charakter – so wie wir. Wenn du uns aber „reingelassen“ hattest, konnten wir richtig bei dir toben. Wir haben uns heftigst bei dir amüsiert auf bravo.de oder aber auch geekelt auf rotten.com (oh Gott, gibt es das noch?!). Halleluja, was haben wir die Zeit mit dir genossen – und Katharinas Mama die Ruhe, denn wir haben Stunden vor dir verbracht.

Meine erste Email-Adresse habe ich dann mit 13 Jahren bei Yahoo (huuuu-uhhhh) eingerichtet. Natürlich nichts seriöses, sondern etwas, das was über meine Persönlichkeit aussagt: juli-schatzi-hasi-mausi@yahoo.de Ich konnte mich halt schon damals gut kurzfassen. In der siebten Klasse ging es dann los mit chatten, aber nicht irgendwo, sondern bei Chat4free. So nämlich! Wir verabredeten uns in der Schule für einen Nachmittagschat im „Feuerwehr“-Raum, der war nämlich immer frei. Hah! Damals passten auch immer nur 25 Leute in deine Chaträume.

Mein erstes soziales Medium bei dir war schuelerVZ zur Abizeit, dann kam studiVZ 2007. Oh Gott, wie ich das geliebt habe. Wie oft haben meine Mitbewohnerin und ich irgendwelche Leute ausgestalkt und uns durch deren Gruppen geklickt. Die Gruppen entschieden damals, wer cool ist und wer not. Ich fand meine Gruppen mega und fand es cool, dass alle wussten, dass „ich morgens schon einen Grillteller vertrage“, „das Gefängnis mich verändert hat“ oder ich eine große Leidenschaft für kulturelle Highlights von Heinz Strunk pflee (An dieser Stelle ein Zitat von Heinzer: „Ich sehe die wirtschaftliche Zukunft Hamburgs nicht im Bergbau.“).

Schon zu StudiVZ-Zeiten habe ich gespürt, dass tief in mir ein Investigativ-Journalist steckt. Damals ahnte noch niemand, dass ich mal was mit diesem Internet machen würde, schließlich habe ich ja Landwirtschaft studiert (siehe „Lehrveranstaltungen“).

Meinen ersten, richtigen Job nach dem Studium habe ich auch dir zu verdanken, denn ohne dich, liebes Internet, wäre ich nie Online-Redakteurin geworden. Du warst das Fundament meines Tun und Handels. Ich habe Homepages betreut und verwaltet, Facebook- und Instagramaccounts angelegt und bespielt und dafür gesorgt, dass News nicht wöchentlich – immer freitags – in 128 Seiten A4 gebunden auf den Bauernküchentischen landeten, sondern noch am selben Tag.

Schon damals habe ich dich – wie einen Freund – verteidigt, wenn mal wieder (meist) ältere Semester über dich herzogen. Du würdest dich nicht durchsetzen haben manche sogar behauptet. Hah! So von Freund zu Freund, ein kleiner Rat: Es hat im Leben noch nie geschadet unterschätzt zu werden. 😉

Unsere Freundschaft fand im Dezember 2016 dann ihren Höhepunkt: Du hast mir ermöglicht, dass ich meinen Traumberuf (in Berlin) von zuhause (in Nordfriesland) ausüben darf. Dieser Höhepunkt hält nun schon seit 2016 an und ich bin dir unendlich dankbar dafür. Jeden Tag. Nicht nur für mein tolles Leben, sondern auch für die besonderen Menschen, die du mir vorgestellt hast und die ich auch über den Blog, den ich dir anvertraue, kennenlernen durfte. Jeder einzelne von ihnen macht meinen Tag schöner und bunter. Früher war es fast peinlich zusagen, dass man sich bei dir, liebes Internet, kennengelernt hat. Heute feiere ich das sehr.

Auf dich!
Danke, dass es dich gibt!

Deine Deichdeern.

 

Mehr #blogstloveletter liest du hier.

 

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