Bauer sucht Hipster

Unsere Landwirte sind schon ziemlich verrückte Typen. Da liegt die Idee also nicht fern, sich Anfang Juni, also einen bis anderthalb (je nach Region) Monate vor dem Erntestart, mit dem Mähdrescher auf den Campus, in dem Fall der Platz der Göttinger Sieben in Göttingen, zu stellen und zu zeigen, welche Schritte eigentlich notwendig sind bis das Frühstücksbrötchen so auf dem Tisch liegt, wie wir es kennen.

Highlights:

AgrarScouts:

  • 28 Junglandwirte, die einen Tag vorher acht Stunden lang als AgrarScouts ausgebildet wurden. Hier lernt man den richtigen Umgang mit kritischen Fragen, wie man richtig zuhört, wie man aktiv auf seine Mitmenschen zugeht und sie auch wertschätzt. Auch ich bin einer von den mittlerweile 290 AgrarScouts.

Brot und Mehl: Welche Mehltypen gibt es und was macht eigentlich so ein Müller den ganzen Tag?

  • 500 g Mehltüten (Roggen, Dinkel, Weizen) und eine große Schautafel
  • Der Beruf des Müllers: Supermodern – hättest du es gewusst? Schau mal hier.

Ernte: Auf der Straße gefürchtet – auf dem Acker begehrt

  • Mähdrescher zum Probesitzen, natürlich. Da kommt das Kind ins uns allen hoch. 🙂

Pflanzenschutz: Welche Arten gibt es eigentlich? Vogelscheuche, Nützlinge  

  • eine Drohne, mit der man supermini Schlupfwespen über der Maisfläche abwerfen kann
  • eine Schautafel über Glyphosat mit pro und kontra: Wann wird es wirklich verwendet? Gibt es Alternativen?
  • ein Behältnis mit Mehlwürmern und Käfern

Aussaat: Wie kommt die Saat in den Boden?

  • eine Schautafel zum Thema Aussaat

Pflanzenzüchtung: Forschung und Entwicklung von Weizen, Mais & Co.

  • kranke, von Fusarien befallene Weizenpflanzen (und gesunde zum Vergleich)
  • Petrischalen mit unterschiedlichen Pilzen
  • Schautafel zur Pflanzenzüchtung

Die Aktion, die von den Junglandwirten Südniedersachsen und der Fachschaft Agrarwissenschaften der Uni Göttingen in Kooperation mit dem Forum Moderne Landwirtschaft initiiert wurde, war ein voller Erfolg. Über 800 Nicht-Agrarier (also Geschichts-, Soziologie-, Lehramts- und Jurastudenten und viele weitere) informierten sich bei ihren Kommilitonen. Sogar die Presse war vor Ort. Wen es interessiert: Hier der Link zum Göttinger Tageblatt.

Wenn ihr auch mal Lust habt, so eine Aktion umzusetzen, dann meldet euch gerne bei mir. Gemeinsam schaffen wir es, die moderne Landwirtschaft wieder in die Mitte der Gesellschaft zu rücken.

Eure Deichdeern.

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Bauernhof-Kita gesucht

Danke an meine Freundin Lena vom Hof Haase – Bauernhofpädagogik und Monteurwohnung für ihr Gießkannen-Tankstellen-Foto. Foto: Lena Haase


Es erreichen mich zahlreiche Anfragen, aber diese Woche erreichte mich eine besondere Nachricht: Ein privater Kita-Träger in Hamburg möchte sein Kita-Angebot erweitern und sucht einen landwirtschaftlichen Betrieb in Hamburg, auf dem eine neue Kita eröffnet werden kann. Bio oder konventionell sei hierbei völlig egal. Die Grundkonzeption sieht es vor, den Hamburger Jungs un Deern wieder einen Zugang zum Ursprung der Lebensmittel und dessen Produktion zu gewährleisten. Und Matsch. Natürlich! 
„Waldkindergarten kann jeder“, verriet mir das Kita-Werk. Ich habe mit denen telefoniert, um zu checken wie seriös das ist. Wenn wir Bauern angerufen werden und uns jemand sagt: „hey, ihr macht nen coolen Job. Dürfen wir bei euch ne Kita eröffnen?“ dann sind wir per se ja erstmal skeptisch. Insbesondere, wenn solch spooky Videos von alten, aufgeregten Damen am Feldweg rum kursieren, ist die Stimmung eher gedämpfter und misstrauischer. 

Hier also mein Appell: Die Anfrage ist echt und seriös. Wer den Kontakt haben möchte, darf mich gerne anschreiben. 

Des weiteren suchen die noch Betriebe im Hamburger Speckgürtel (hier also gerne auch SH und NDS) für regelmäßige Ausflüge. Dort auch gerne bei mir melden, dann leite ich das entsprechend weiter. 

Liebe Community, liebes Internet, wir als Bauernstand rufen laut nach mehr landwirtschaftlicher Bildung und Prägung im Kitaalter. Jetzt haben wir es in der Hand und können aktiv werden. Ich würde mich daher freuen, wenn ihr den Beitrag teilen könntet, um möglichst viele zu erreichen…Und wer weiß, vielleicht ließt es die nächste Kura-Leitung und sagt sich: Bauerhof-Kita, geile Idee?! 

Anfragen bitte an: deich.deern@gmx.de

Eure Deichdeern

Modder-Liebe: 425 $ für eine dreckige Hose

Ich gebe zu, ich habe einen kleinen Fashionfimmel. Und ja, ich abonniere auch ein paar einschlägige Magazine. Warum? Weil ich gerne über den Tellerrand blicke. Manchmal ist es leichte Kost, manchmal unterhaltsam und manchmal auch absurd. Beispiel gefällig? Das US-amerikanische Label Nordstrom bietet eine „Fake Mud Look-Jeans“ für 425 $ an. Für eine Modderhose.

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Ganz ehrlich: Liebe Textilindustrie, ich biete euch einen Bauernhof für euer Finishing der Jeanskollektionen an. Erwähnungswert dabei: Es handelt sich sogar um ECHTEN  Modder. Na, wenn das nichts ist. Und wenn wir schon dabei sind: Durch unsere Äcker sind wir STEINreich. Somit können wir sogar stonedwashed anbieten. Levi’s, Lee, Hilfiger & Co.: Wie schaut’s aus?

Modderige Grüße aus Nordfriesland,

eure Deichdeern

 

„Nicht schubsen, ich bin kein Bauernkind.“

Werte Deichdeern-Leser,

wer mich kennt, weiß, dass ich keinen Gag auslasse und mich gerne von einer Sarkasmuswelle durch den Tag tragen lasse. Bis jetzt. Genau jetzt. Mein Facebook-Algorithmus hat sich den vergangenen zwei Wochen leidenschaftlich dem Thema „Mobbing von Bauernkindern“ gewidmet. Trotz konsequentem Cookies-Löschen. Ich würde das gerne ignorieren. Funktioniert schließlich bei sinnlosen Buchempfehlungen, Anti-Pickel-Masken oder der Aufforderung von Detlef D! Soost (I make you sexy und so)  auch wunderbar, aber bei dem Thema nicht.

Hier also mein Senf:

Meine Schulzeit war schön. Ok, zugegeben: Ich war in den Pausen besser als im Unterricht, aber deshalb mache ich heute auch beruflich was mit Kommunikation. Ich konnte mit jedem: den Computerfreaks, den Sportlern, den Barbies, den Rauchern, den Metalfans und ja, auch mit den besonderen Menschen. Die, die irgendwie anders waren: Die Stinker, die Cowboystiefelträger und die, die nach der 8ten Stunde ein Eierbrötchen im Bus aus dem Eastpak zogen. (Jeder kennt diesen einen Typ Mensch, der im Sommer nach der achten ein Eier- oder Leberwurstbrot aus der Tasche zieht.)

Und was ist jetzt mit den Bauernkindern? Gute Frage, bei mir sind die oben bei den Sportlern und den Metalfans einsortiert. Sie fielen nie auf…obwohl?! DOCH! Einmal im Jahr fielen sie auf. Am Wandertag. Man möge sich eine düstere, musikalische Untermalung bei dem Wort „Wandertag“ (döööödööööödöööö) vorstellen, denn unsere Lehrer (von der Auguste-Viktoria-Schule in Itzehoe, Große Paaschburg 68!!!!) hatten nie Bock auf diesen Tag. Nie. Never ever.

Also kam es, wie es kommen musste: Ein Freiwilliger musste her, bei dem wir diesen Tag abhängen konnten bzw. dessen Muddi dann die komplette Orga übernahm und die Lehrkraft fein aus dem Schlawittchen war. Zu 95 % fand dieser Tag also immer auf dem Bauernhof eines Mitschülers statt, denn für die Bauernkinder war es nie schlimm den Hof voller Menschen zu haben. Es waren stets tolle Tage mit reichlich Action und noch reichlicher was für die Figur. Dass wir abends nach so einem Tag nach Bauernhof rochen, haben wir nicht gemerkt, sondern nur die, die uns abholten. So what?! Klamotten kannste waschen, Erinnerungen aber bleiben.

Ich konnte es mir also beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Wahrnehmung der Bauernkinder sich in den letzten zehn (ok, 15…) Jahren so geändert hatte und so musste ich recherchieren. Ich rief meine Blogleser dazu auf mir ihre Erfahrungen mitzuteilen.

Hier ein paar Auszüge aus den zahlreichen Nachrichten, die mich erreichten:

„Hallo Julia, meine vier Kinder haben keine guten Erfahrungen damit gemacht, in der Schule bekannt zu geben, dass die Eltern Landwirte sind. In der Grundschule war das noch cool, denn die ganze Klasse durfte auf unseren Bauernhof kommen. Dann gab es natürlich kostenlos Frühstück, Spiele, Tiere zum Kuscheln und jede Menge Informationen. Die Kinder waren begeistert. Doch danach, auf den weiterführenden Schulen, haben sich meine Kinder nicht mehr getraut, zu sagen, dass die Eltern Landwirte sind. Sie wurden aufs Übelste gemobbt und gehänselt. Gerade gestern hat mein Sohn im Religionsunterricht ein Referat über Massentierhaltung halten müssen und stand allein auf weiter Flur. Wenn nun schon der Lehrer im Vorfeld sagt, dass heute alle Bauern Massentierhalter sind, dann ist das Ergebnis der Referate schon vorgegeben. Mein Sohn war jedenfalls todunglücklich mit dem Vortragen seines Referates und wurde in der Klasse von dem Lehrer angeprangert. Es ist nicht das erste Mal, dass er aufgrund des Berufs seiner Eltern gemobbt wird. Das kennt er schon. In ein paar Tagen haben die meisten Schüler wieder vergessen, dass er ein Massentierhaltersohn ist und finden neue Themen, über die sie lästern können. Aber er ärgert sich besonders über den Lehrer, der weiterhin auch andere Schüler mit seiner Massentierhaltungsverschwörungstheorie bekehren will.“

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„Hallo! Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und fand es bis zur Grundschule richtig toll, weil ich viele Freiheiten hatte und Tiere, egal ob Schweine, Kühe, Katzen, Hunde oder Pferde, immer geliebt habe und immer noch liebe. In der Grundschule fing das Mobbing dann allerdings richtig an. Unser Kuhstall ist mit dem Haus verbunden, weshalb es natürlich immer nach Kuhstall gerochen hat. Dadurch rochen natürlich auch meine frisch gewaschen Sachen immer leicht nach Kuhstall. Viele Kinder kommen auch von Bauernhöfen oder wohnen in der Nähe davon, aber dadurch, dass unser Hof etwas außerhalb liegt und ich trotz Geschwister  (ca. 15 Jahre älter) fast als Einzelkind aufgewachsen bin, war ich das perfekte Mobbingopfer. Es hat sich durch die komplette Grundschule und Orientierungsstufe gezogen, dass ich Stinky genannt wurde oder die Kinder nur mit mir gespielt haben, wenn es für sie irgendeinen Vorteil gebracht hat. Ich habe als Kind sehr darunter gelitten und zum Dorf die Beziehung nahezu abgebrochen. Ich liebe den Hof meiner Eltern. Mittlerweile haben wir zwar außer ein paar Hühnern keine Tiere mehr, aber ich möchte meine Kindheit auf dem Hof nicht missen. Trotz der negativen Erlebnisse mit anderen Kindern, wünsche ich mir, dass meine Kinder genauso frei und mit genauso viel Umwelteinflüssen aufwachsen können wie ich. Zur Zeit lebe ich zwar berufsbedingt in der Stadt, aber es zieht mich und meinen baldigen Mann auf’s Land zurück. Er kommt genauso wie ich vom Bauernhof und hatte nicht mit solchen Anfeindungen zu kämpfen. Vielleicht weil er Freunde hatte, die wirklich zu ihm gestanden sind.“

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„Moin Julia, wir waren in MeckPomm die Helden in der Schule. Meine Brüder waren erst auf einer Dorfschule bis zur 10. Klasse und da wusste jeder, wann es bei uns ne neue Spritze, einen neuen Mähdrescher usw. gab und natürlich auch mit welcher Schneidwerksbreite, ob das Teil schon selbst fahren konnte und wie das im Vergleich zum Nachbarbetrieb ist.“

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„Hey Julia, mein Bruder wurde als Schweineficker betitelt. Und das täglich. Zu mir wurde gesagt, dass ich stinke etc. Mein zweiter Bruder wurde nicht geärgert. Meinen Nichten wird heute bisher nur gesagt, dass sie stinken. Beide gehen zur Grundschule. In der zweiten Klasse hat meine Nichte mit der Klasse einen Kuhhof besucht, einige Kinder durften von den Eltern nicht mit, weil sie sonst stinken würden. Ein paar Kinder waren voreingenommen und haben sich schlecht benommen. Die Kinder geben das wieder, was sie zu Hause hören. Früher lag es wohl eher an dem Bildungsstand der Familie. Heute hat sich das geändert. Die Wahrnehmung der Landwirtschaft und ihrer Produktionsverfahren ist kritischer geworden.“

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„Hallo, vorab muss ich sagen, dass wir selbst keine richtige Landwirtschaft mehr führen. Mein Vater gab den Betrieb schon vor langer Zeit auf und nun gibts bei uns nur noch einen Pensionsbetrieb für Pferde. Jedoch hab ich früh mein Interesse an der Landwirtschaft gefunden und im Alter von 13-16 in den Ferien und auch an Wochenenden auf anderen Betrieben geholfen und auch wirklich viel gearbeitet. Trotzdem galt ich schon in der Grundschule als Bauer wurde vielleicht minimal mal gehänselt jedoch war es nie was dauerhaftes und nichts, was ich persönlich als Mobbing bezeichnen würde. Auf der weiterführenden Schule war es ziemlich genauso, jedoch hab ich von vielen Leuten immer mehr Respekt bekommen, dafür,dass ich schon in dem Alter so fleißig war und so dazu stand. Natürlich kamen immer mal wieder Kommentare, wie ekelig das doch sei und dass das gar nicht Mädchenhaft ist. Inzwischen ziehen Lehrer mich in Diskussionen mit ein , wenn es um Themen geht die Landwirtschaft (nicht nur in Deutschland) beinhalten. Da ich eine vernünftige Position vertreten und sachlich belegt Argumentieren kann. Natürlich gibts Lehrer die mich belächeln und bei denen ich weiß, dass sie über mich denken, dass ich ein Dorftrottel und Oberbauer sei. So denken auch einige Mitschüler . Jedoch hab ich bei der großen Masse Respekt gewonnen durch Fleiß und (Fach-)Wissen. Schlussendlich kann ich einfach sagen , dass die Landwirtschaft, auch wenn ich aus Persönlichen Gründen Ferien- und Aushilfsjobs aufgegeben hab , mein Selbstbewusstsein , den Respekt und die positive Aufmerksamkeit von anderen gesteigert hat.“

Bis zu dem Zeitpunkt war ich schon mittelmäßig fassungslos, was es für Mobbinggeschichten gibt, aber dann folgte diese hier:

„Unser Sohn wurde gleich in der ersten Klasse wegen dem Hof gemobbt. Immer wieder gab es abfällige Bemerkungen oder Schlägereien. Für unseren Sohn war es so schlimm, dass er wieder bei uns im Bett schlafen wollte. Er weinte sich in den Schlaf und kam erst zur Ruhe, wenn ich mich dazulegte. Am liebsten wäre er nicht mehr in die Schule gegangen. Die Lehrer haben es nicht ernst genommen und sich auch nicht gekümmert. Zum Schluss ist es so eskaliert, dass er einen Jungen extrem verprügelt hat. Daraufhin habe ich nach dem ich deswegen in der Schule antreten musste sämtliche Eltern informiert, die es betraf. Sie haben ihn festgehalten und nicht zum Bus gelassen, das ging so weit, dass ich ihn eine Zeit lang gefahren habe.  […]

In der 5. Klasse an der neuen Schule, ging es wieder los. Beschimpfungen, Kloppereien usw. Es kamen Nachrichten auf sein Handy…“scheiß Bauer, geh Kühe melken“, „deine Eltern sind Tierquäler, die verpesten alles“ usw. Ich entdeckte zufällig einen Bericht über einen Jungencoach in der Zeitung. Da fuhren wir hin. Er war auf Mobbing spezialisiert und gab ihm gute Tipps, sich nicht darauf einzulassen und auch keine Angriffsfäche mehr zu bieten. Die Stunde hat jedes Mal 60 € gekostet, aber das Geld war gut angelegt. Die Situation beruhigte sich nach und nach und alle konnten langsam nach all den Mobbingjahren besser schlafen.“ 

Ja, was soll ich sagen. Zunächst war ich dankbar, dass sich so viele Menschen mir gegenüber geöffnet haben und von ihren Erfahrungen berichteten. Gleichzeitig nimmt es mich aber doch ziemlich mit, denn unsere Kinder können nichts für den Beruf, den ihre Eltern ausüben.

Sprachlos und betrübt ziehe für mich als persönliches Resümee, dass ich mich in dem Bereich der „landwirtschaftlichen Früherziehung“ und der Kommunikation unseres Berufsstandes weiterhin noch mehr engagieren werde, denn unsere Kinder sind unsere Zukunft. Wenn die das Vertrauen in uns Bauern verlieren, dann bin ich meinen Job los. Klare Sache.

Eure Deichdeern.

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Schlechter Spruch oder Wirklichkeit?

„Die wenigsten Brautpaare wollen in der Stadt heiraten“

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Inga, nach deiner Hotelfachausbildung und deinem BWL-Studium machst du „endlich was Vernünftiges“ – du bist Weddingplanner. Zu viel „4 Hochzeiten und eine Traumreise“ geschaut?

Es ist wohl von vielen der Kleine-Mädchen-Traum Hochzeitsplaner zu werden. Genau so war es natürlich auch bei mir. Ich habe aber durch meine Ausbildung und mein Studium meinen Weg sicher immer in die richtige Bahn gelenkt. Während meiner Ausbildung in Berlin habe ich schon gemerkt, dass mir die Veranstaltungsbranche liegt. In den Semesterferien habe ich Hochzeiten in einem Schlosshotel in Mecklenburg organisiert. Nach dem Studium in Kiel verschlug es mich erstmal zurück in die Hotellerie auf einen Gutshof mit einem kleinen, feinen Hotel. Und wie konnte es anders sein, waren auch hier an fast jedem Wochenende Hochzeiten. Den Job habe ich dann vor einiger Zeit an den Nagel gehängt und mich mit der Agentur Traumhochzeit selbstständig gemacht.

Es gibt hunderte Hochzeitsplaner in Deutschlands Städten. Du hast dich fürs Land entschieden. Warum?

Naja, ich heirate im Oktober einen Landwirt. „Entweder Christoph und Landleben oder keins von beidem“ war schon immer die Devise, was aber auf keinen Fall heißen soll, dass ich mich hier nicht wohlfühle. Im Gegenteil. Ich liebe das Landleben und bin selbst in einem Ort mit etwa 30 Einwohnern aufgewachsen. (Anmerkung: Nein, da fehlen keine Nullen.) Ab und an brauche ich aber doch auch mal etwas Stadtluft und es zieht mich nach Hamburg oder für ein paar Tage zurück nach Berlin. Für meine Agentur ist es ideal auf dem Land. Die wenigsten meiner Brautpaare möchten in der Stadt heiraten und es wäre wohl deutlich umständlicher die Locations zu erreichen und Absprachen zu treffen, wenn wir mitten in der Stadt wohnen würden.

Inga, was haben Landwirte und Hochzeitsplaner gemeinsam?

Ich denke es ist die Liebe zu dem, was wir machen und der Gedanke, dass Arbeit und Privates ziemlich gut zusammenpassen. Wir sehen die Arbeit beide nicht als Arbeit sondern als eine wundervolle Aufgabe uns unsere Welt so zu machen, wie sie uns gefällt. Bei uns ist es völlig normal, dass auch beim Abendbrot noch über die neueste Drillmaschine und die neuestens Hochzeitslocations gesprochen wird oder das Bauernblatt auf dem Küchentisch neben der Visitenkarte vom Freien Trauredner liegt. Das, was wir machen, machen wir gern und das gern auch den ganzen Tag.

Hast du eine Checkliste, was meine Scheune haben müsste, um bei dir als Hochzeitslocation durchzugehen?

Ganz klar: Je rustikaler, desto besser. Scheunenhochzeiten sind absolut im Trend. Alte Balken, alte Türen, roter Backstein und schon hat man mit etwas Geschick die perfekte Scheunenhochzeit. Mit Licht und weißen Hussen sieht die Scheune schon ganz anders aus als vorher. Mit ein bisschen ländlicher Deko oder Strohballen wird das eine richtig runde Sache. Wenn also jetzt jemand merkt, dass auf dem eigenen Hof genauso eine Scheune steht, freue ich mich natürlich über Hinweise.

Was fasziniert dich am meisten an deinem Beruf?

Zum Einen die unterschiedlichsten Brautpaare, die ich treffe und zum Anderen die unterschiedlichsten Vorstellungen und Konzepte zu Hochzeiten. Von rustikal auf einer Wiese mit Foodtruck über eine freie Trauung mitten im Wald bis hin zur Schlosshochzeit mit rotem Teppich ist wirklich alles dabei und ich kann gar keinen Favoriten nennen. Es ist einfach wichtig, dass das Brautpaar genau das macht, was sie sich selbst vorstellen und was zu ihnen passt. Dann steht einer gelungenen Hochzeit nichts mehr im Wege.

Danke Inga.

Hier noch ein Video, damit ihr euch ein Bild von Inga und ihrer Arbeit machen könnt.

 

Tschüss, Kittelschürze!

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Freitagnachmittag in Hövede im Kreis Dithmarschen. Bei der Fahrt durch die friedliche 70-Seelen-Gemeinde fällt ein weißes Banner ins Auge. „Feld und Flur“ steht in fetten Lettern geschrieben, und ein großzügiger Pfeil nach rechts weist den Weg. Hinter dem klangvollen Namen verbirgt sich der Hofladen von Ina Harbeck. Die 30-jährige Hauswirtschafterin hat den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und betreibt seit Anfang dieses Jahres ihr eigenes kleines Unternehmen.

„Während der Realschulzeit war mir schnell klar, dass ich ländliche Hauswirtschaft lernen möchte“, verrät die Dithmarscherin. „Für mich ist das Vielfalt pur. Welcher Beruf ist so abwechslungsreich?“, fragt sie und schießt die Antwort gleich hinterher: „Mir fällt keiner ein. Okay, Landwirtschaft vielleicht“, sagt sie schmunzelnd und wirft einen Blick über ihre Schulter gen Kuhstall. Ihr erstes Lehrjahr absolviert die damals 16-Jährige an der Landfrauenschule, einer Fachschule für ländliche Hauswirtschaft, in Hanerau-Hademarschen. Für das zweite verschlug es sie zu Familie Schoof nach Hedwigenkoog.

Das dritte Ausbildungsjahr verbrachte Harbeck bei Familie Frahm-Hagemann in Groß Rheide. „Beides sind tolle Familien, bei denen ich viel gelernt habe“, berichtet sie mit stolzer Stimme und sortiert dabei die ersten Roten Beten des Jahres in ihr Hofladensortiment. Kaum war die Ausbildung abgeschlossen, zog es die frischgebackene Hauswirtschafterin erneut nach Hademarschen. Ein Jahr Oberklasse mit dem Schwerpunkt Vermarktung und Tourismus stand auf der Agenda. „Ein anstrengendes Jahr, aber all die Mühe und der Fleiß zahlten sich am Ende aus“, resümiert sie die Zeit. Es folgten drei erfahrungsreiche Monate in Kanada auf einer Apfelfarm. Die „Betriebsleiterin im ländlichen Raum“ backte Apple Pies für den Hofladen im Akkord. Nach der Wiederkehr folgte eine Festanstellung als hauswirtschaftliche Betriebsleiterin im Niels-Stensen-Haus in Hamburg.

Auf Nachfrage, ob es bereits in der Ausbildung für sie klar war, dass sie sich in Richtung Direktvermarkung orientieren würde, wird sie ganz still, hält einen Moment inne und berichtet von dem plötzlichen Tod ihres Vaters. „Mein Bruder war zu dem Zeitpunkt 18 und noch in der Ausbildung zum Landmaschinenmechatroniker. Er wollte den Betrieb weiterführen, aber erst nach einer zweiten, landwirtschaftlichen Ausbildung. So entschied ich mich, meinen Job in der Hansestadt zu kündigen, und ging nach Hause.“

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Genau in diesem Moment betritt ein Mann mit schwarzer Sonnenbrille, kurzer Hose und staubigen Boots den Hofladen. Ein melodisches „Hello“ ertönt im Raum. Es ist Ian, Inas Partner. Sie und der 39-jährige Australier haben sich vor ein paar Jahren auf dem Volksfest im benachbarten Tellingstedt kennengelernt. „Wo auch sonst?“, sagt sie und lächelt ihm zu. „Ian unterstützt uns auf dem Hof und im Hofladen ungemein. Es schadet nie, einen Zimmermeister auf dem Hof zu haben.“ Ihre Finger deuten auf die hölzerne Hollywoodschaukel vor dem Hofladen. Im kommenden Jahr ist ihr Bruder mit der Ausbildung fertig. Dann wird er die Arbeit auf dem Höveder Milchviehbetrieb übernehmen, und Ina wird sich nach und nach ausschließlich ihrem Hofladen widmen.

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Auf Nachfrage, wer ihr bei der Planung und der Konzeptionierung geholfen habe, verweist die junge Frau erneut auf die Ausbildung. „Insbesondere das Fach ,Vermarktung und Tourismus‘ hat mir sehr dabei geholfen, meinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Von der Konzeption bis zur Preisgestaltung, ich hab alle Unterlagen wieder rausgeholt und konnte einfach loslegen.“ Bei der Umsetzung des Businessplanes für den Existenzgründungsantrag erhielt sie Unterstützung von einem befreundeten Dozentenpaar von der Fachhochschule Heide. Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor für ihr Angehen ist ihre Entschlossenheit. „Ich wusste genau, was ich dem Kunden anbieten möchte. Regionalität hat bei mir oberste Priorität“, fährt sie fort und lädt zum kleinen Rundgang ein. Die erste Station führt in den alten Apfelgarten. „Das Geld liegt doch auf dem Boden.“ Ihre Hand deutet gen Grund. „Man braucht es nur aufzusammeln.“ Neben den eigenen Birnen, Pflaumen und Kirschen verarbeitet sie die Äpfel zu Köstlichkeiten für ihren Hofladen: Kuchen im Glas, Eingelegtes, Marmeladen oder besondere Öle zieren ihre rustikalen Regale.

Für die Zubereitung hat sie die alte Küche als Gewerbeküche umfunktioniert und angemeldet. Die Dithmarscher Frohnatur packt sich einen Korb und geht erneut in den Hofladen. Besonders stolz ist die passionierte Jägerin auf ihren Kühltresen: Rehsalami, Wildgulasch oder die hauseigenen Fleckviehkreuzungen finden ihren Platz in der Kühlung. „Wir schlachten im Nachbarort Delve. Ich lege großen Wert darauf, dabei zu sein.“ Auch hier kann sie wieder auf ihre Ausbildungsinhalte zurückgreifen und ist geübt im Abpacken und Etikettieren von Fleischerzeugnissen. Zum Abschluss der kleinen Führung macht Harbeck halt vor ihren Bienenkästen. „Sechs Bienenvölker habe ich von meinem Vater. Mittlerweile sind es sieben. Das macht mich mit Abstand zum größten Tierhalter in der Umgebung“, scherzt die Hobbyimkerin.

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„Das Arbeiten von und mit der Natur und ihren Produkten empfinde ich als unheimlich erfüllend und inspirierend. Aber natürlich hole ich mir auch viele Anregungen aus dem Bereich Social Media. Das bilderbasierte Netzwerk ,Pinterest‘ ist da mein absoluter Favorit“, verrät sie. Beim Verabschieden wird es ganz klar: Die hauswirtschaftliche Ausbildung ist ihr eine wichtige Stütze. Ina Harbeck lebt ihren Traum und ist von der Klischee-Kittelschürze ganz weit entfernt.

Eure Deichdeern.

Öffnungszeiten:
Di-Fr:   09:30 – 18:00 Uhr
Sa:      10:00 – 14:00 Uhr

Adresse:
Hofladen „Feld und Flur“
Dorfstraße 19
25782 Hövede
http://www.feld-und-flur.de
Facebook

Weitere Artikel zum Thema Hauswirtschaft gibt es hier oder hier.

Home is where your Herd is

aufmacher_vonderschulbankinslehrerzimmer„Guten Morgen und herzlich Willkommen in meiner zweiten Heimat“, begrüßt mich eine freundliche Stimme am Eingang der Fachschule für Hauswirtschaft in Hademarschen, Kreis Rendsburg-Eckernförde. Es ist Dorthe Reimers. Die 28-jährige, große blonde Frau schreitet flotten Schrittes den langen, schmalen Schulkorridor entlang. Sie blickt zu mir nach hinten und sagt: „Wir sind heute in der Lehrküche. Das Menü wurde bereits besprochen und wir beginnen gleich mit dem Kochen. Es gibt Seelachsfilet Müllerin Art. Was das genau ist, zeige ich am besten gleich.“ Kurz vor dem Abbiegen in die Küche streift sich Dorthe mit einem gekonnten Handgriff das Haarnetz über. Sie trommelt die kochwütigen Schülerinnen zusammen und zeigt in der vordersten Kochkoje, worauf es beim Fisch zubereiten ankommt. Vor genau 12 Jahren stand sie selbst das erste Mal in dieser Küche – damals noch als Unterklassenschülerin.

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Dass ihre Zukunft mal in der Küche stattfinden würde, wusste Dorthe bereits mit sieben Jahren. Als ihre Eltern einmal kurz das Haus verließen, ermahnten sie ihre Tochter, sie solle wieder keine Eier für ihre Backexperimente verschwenden. „Die Herausforderung habe ich natürlich angenommen und einen Teig aus Mehl, Rasierschaum und ein bisschen Salz gezaubert. Die Masse habe ich dann zum „backen“ auf der Heizung im Wohnzimmer verstrichen. Als meine Eltern zuhause eintrafen, präsentierte ich stolz „mein Brot“. Ich bekam großen Ärger, den ich nicht nachvollziehen konnte. Schließlich hatte ich keine Eier verschwendet“, resümiert die ehemalige Pellkartoffelkönigin und „Erfinderin der Kartoffelpralinen“. Spätestens danach hatte keiner mehr Zweifel an ihrem Berufswunsch Hauswirtschaft. Ein paar Jahre und ein Realschulabschluss später besuchte die damals 16-Jährige dann endlich die Fachschule für Hauswirtschaft im ländlichen Raum. Das Besondere an der Schule: Die einjährige Internatszeit wird gleichzeitig als erstes Lehrjahr anerkannt. „Ich hab das ganze Wissen, das mir hier vermittelt wurde aufsogen wie ein Schwamm“, betont sie. „Für mein zweites Lehrjahr zog es mich nach Sommerland im südlichen Kreis Steinburg. Auf dem landwirtschaftlichen Betrieb arbeitete sie im Haushalt und unterstütze tatkräftig bei den Melkzeiten. „Wer ein Jahr im Mädcheninternat übersteht, den schreckt so schnell kein Kuhstall ab“, sagt sie mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Für das dritte Lehrjahr zog es Dorthe in einen Privathaushalt. „Für mich eine ganz besondere Zeit, und wenn man so möchte ein kleiner dunkler Fleck in meinem Lebenslauf, denn kurz vor Ende der Ausbildung wechselte ich auf eigenen Wunsch zurück nach Sommerland, um dort die Ausbildung zu beenden.“ Sie wirft einen Blick über ihre Schulter und beobachtet ihre Schülerinnen beim Zubereiten. „Im Nachhinein betrachtet, kam mir diese Erfahrung, die ich damals mit dem Lehrstellenwechsel gemacht habe, zu Gute, denn ich werde immer noch von teils ehemaligen Schülern nach Rat gefragt, wenn es um dieses sensible Thema geht.“

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Zum Ende des dritten Lehrjahres gewann die gebürtige Hohenasperin den Berufswettbewerb, der von der Landjugend ausgerichtet wird, in der Kategorie Hauswirtschaft. Auf Bundesebene schaffte sie es sogar unter die Top Fünf. Wie sich erst im Nachhinein herausstellte, war dieser Wettbewerb der Grundstein für Dorthes spätere Landjugendkarriere. „Man lernte tolle Leute kennen und plötzlich, eh man sich versah, war ich mit im Landesvorstand“, fügt sie hinzu.

Nach der Ausbildung folgte die Rückkehr nach Hademarschen. Dieses Mal als Oberklassenschülerin. Das Jahr verging im Fluge und Dorthe fühlte sich bestens vorbereitet für das Berufsleben. Sie wusste bloß nicht auf welchen Beruf genau. Ihre Unentschlossenheit zog sie für neun Monate auf einen Milchviehbetrieb nach Kanada. „Ich hatte die naive Hoffnung, dass mir dort einfällt, was ich machen soll. Es kam aber keine Erkenntnis. Auch nicht am Abflugstag“, zeigt sie sich einsichtig. „Ich fing also an mich überall vorzustellen: Hotels, Großküchenleitung, Altenheime, aber immer fehlte das gewisse Etwas.“ Dann kam der Anruf von Gudrun Krey, langjährige Lehrerin an der Landfrauenschule. Sie suche nach tatkräftiger Unterstützung für die Grüne Woche, da sie zu wenig Blaumeisen für Berlin hatte. Dorthe willigte ein und „flog“ das zweite Mal unter schleswig-holsteinischer Flagge in die ehemalige CMA-Halle. „Beim „Trinkgeldessen“ mit den Blaumeisen gab mir Frau Krey dann den Wink, ich solle doch mal eine Bewerbung einreichen, da die Schule eine hauswirtschaftliche Betriebsleitung suche.“ Und da war er. Der Job nach dem Dorthe gesucht hatte auf dem Serviertablett. „Alles dabei: Spannung, Spiel und was zum Naschen“, scherzt sie. Sie bekam die Stelle und es folgten sechs Jahre als hauswirtschaftliche Betriebsleiterin im Internat. Der geringe Altersunterschied zu den Schülerinnen war nie ein Problem. „Im Gegenteil, denn ich bin sehr dicht an den Themen dran, die die Mädchen (und die paar Jungs) gerade bewegen.“

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Ein Zwischenruf aus der zweiten Koje hallt durch die Küche: „Frau Reimers, was machen wir mit dem Rest Ei von den Kirschtaschen für den Nachtisch?“ „Einen Moment bitte“, sie steht kurz auf, dreht sich in Richtung Schülerin und erwidert in die Runde: „Bitte einfach die Taschen mit dem restlichen Ei bestreichen. Das gibt einen tollen Glanz.“ Und setzt sich wieder. „So, und jetzt möchte man sicherlich wissen, wie ich an die Fachlehrerstelle kam?“ und schießt die Antwort gleich hinterher: „Viele unserer Kollegen gehen dieses und kommendes Jahr in Rente. Frau Krey ging bereits diesen Sommer, zwei weitere werden zum Sommer 2017 in Pension gehen. So ergab sich ein Fachlehrermangel und um es weiterhin zu gewährleisten, die angemeldeten Schüler im kommenden Jahr zu beschulen, war es wichtig eine Fachlehrerstelle dafür zu schaffen.“ Im Gegensatz zu Studienräten, die nach dem Studium ins Referendariat übergehen, ist es bei Fachlehrern so, dass ihre Stelle „geplant“ sein muss. Also nur, wenn konkreter Bedarf geäußert wird, darf eine Fachlehrerreferendariatsstelle ausgeschrieben werden. „Das wiederum hat den Vorteil, dass ich nach dem Referendariat einen Arbeitsplatz an der Schule sicher habe“, schlussfolgert die engagierte Vollblut-Hauswirtschafterin. Ihre Lehrerausbildung erfolgt über das BerufsBildungsZentrum am Nord-Ostsee-Kanal, der Mutterschule der Fachschule für Hauswirtschaft. Montags unterrichtet sie in Hademarschen, donnerstags in Rendsburg am BBZ. Den Rest der Arbeitswoche verbringt sie mit pädagogischen Weiterbildungen und Schulbesuchen von Mitreferendaren. 

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Dorthe blickt auf die Uhr und erinnert ihre Köchinnen zeitnah ihren Tisch vorzubereiten. Während sie weiter über ihre Vita erzählt, beobachtet sie zeitgleich jeden Schritt, der in den zwölf Kojen geschieht. Multitasking par excellence. Am Ende versammeln sich Service- und Kochschülerinnen um den großen Tisch. Die Schülerinnen wiederholen, worauf es bei „den drei S“ (Säubern- Säuern- Salzen) ankommt und was mit Seelachsfilet „Müllerin Art“ (mehlierter Fisch mit Salz-Petersilienkartoffeln und Zitronenbutter) gemeint ist. Mein Blick schweift ab auf ein Zitat, dass ich auf einem Notizblock sehe: „Home is where your Herd is“ steht darauf geschrieben. Jetzt verstehe ich, was sie eingangs mit ihrer zweiten Heimat bei der Begrüßung meinte. Dann hält Dorthe die Tür zum großen Speisesaal auf und lädt mit einer einladenden Handbewegung ein, sich zu Tisch zu begeben. „Darf ich in mein großes Esszimmer einladen?“

Eure Deichdeern.