Kreativ im Kollektiv: Zu Gast bei der ArtNight

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Wir wollten einen Freundinnenabend haben. Einen Abend ohne Kind, ohne Arbeit, ohne Stress – nur sie und ich und unsere gemeinsame Zeit. Und was soll ich sagen? Wir hatten einen Abend – und es war perfekt. Meine Freundin Anna und ich waren bei der ArtNight in Kiel. Vielleicht kennt ihr ArtNight aus Der Höhle der Löwen? Ich oute mich als großer Fan der Sendung und noch größerer Fan des Konzeptes.

Artnight – was ist das?

Die ArtNight ist ein Mal-Workshop. Unter Anleitung lokaler Künstler kann man freudig den Pinsel schwingen und seiner Kreativität freien Lauf lassen. In unserem Fall waren wir zu Gast bei der Künstlerin Helen. Sie ist eine von zwei Künstlerinnen, die für Kiel zuständig ist und veranstaltet im Regelfall acht ArtNights im Monat, montags im Blauen Engel und dienstags im Café Freistil. In der letztgenannten Location gastierten meine Freundin Anna und ich gestern Abend. Wir kannten die Location noch als alte Lessing-Schwimmhalle aus Studienzeiten. Umso erstaunter waren wir, wie aus diesem ollen Planschbecken ein wunderschönes Café geworden ist.

 

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Ein gutes Team: Künstlerin Helen (li.) mit ihrer ArtNight-Assistentin Carmen.

 

Ran an die Pinsel

Der linke Trakt des Cafés war abgetrennt für uns Künstler. Eine sonnige Stimme begrüßte uns mit einem sympathischen Händedruck. Hallo, ich bin Helen. Willkommen bei der Artnight. Ich gebe zu, das leicht gedimmte Licht sowie die seichte Musik im Hintergrund machten einem das Ankommen sehr einfach und angenehm. 25 Plätze waren liebevoll gedeckt, das bedeutet 25 Staffeleien, 25 Arbeitslampen, 25 Tuschbecher, 25 Bleistifte zum Vorzeichnen, 25 Pinsel und natürlich 25 Künstler. Wir saßen zu sechst am Tisch. Neben uns ein Pärchen – beide Ende 40 schätze ich – und gegenüber ein Schwesternduo. Die eine Schwester hatte es der anderen zum Geburtstag geschenkt. Diese wusste nicht, welches Motiv sie erwarte. Wir haben sie im Glauben gelassen, dass wir einen nackten Mann malen würden. Alle am Tisch haben zustimmend genickt. Hah, ab dem Moment wurde unserem Tisch bewusst, dass es wohl zwei humorvolle Stunden werden dürften. Die Getränke wurden kurzerhand von Cola auf Weißwein oder Aperol umbestellt und dann wurde angestoßen – erst mit den Getränken und dann mit den Pinseln. Pinsel-Clapping nennt man das neudeutsch. Ein schöner Brauch. Achja, gemalt haben wir übrigens eine Küstenlandschaft – ohne nackten Mann.

Küstenlandschaft oder Ananas

„Ihr könnt hier heute malen, was ihr wollt. Eine Küstenlandschaft ist die Vorgabe, aber ihr könnt genauso gut eine Ananas malen, wenn euch danach ist. Mir ist vor allem wichtig, dass ihr heute Abend eine gute Zeit bei ArtNight habt. Darauf kommt es an“, sagte unsere Anleiterin. Sie sollte recht behalten. Kaum war die erste Linie gezogen und der erste Pinselstrich gesetzt, hieß es erstmal durchatmen. „Der erste Pinselstrich ist der schlimmste“, sagte meine Freundin Anna. Sie hatte recht. Obwohl die Angst absolut unbegründet war wie sich später herausstellte, denn wir malten mit Acrylfarben. Die lassen sich problemlos übermalen. Beispiel gefällig?

Auf dem linken Bild seht ihr meine Küstenlandschaft (ganz links ) mit einer Art – nun ja nennen wir es Algenplage in der Brandungsregion. Rechts habe ich das großflächige Mißgeschick einfach übergemalt. Ok, und den Felsen vielleicht auch. Und das Meer. Und den Himmel. Ok, eigentlich alles. Kinder ich sage euch, das Zeug ist so deckend, das wünsche ich mir für schlechte Tage in meinem Schminkköfferchen.

Halbzeit

Zur Halbzeit gab es eine Mini-Vernissage. Jeder erhob sich von seinem Platz und begutachtete die Schätze der anderen Teilnehmer.

Beeindruckend, was einige innerhalb einer Stunde auf die Leinwand gezaubert hatten. Während ich mich sehr an die Vorlage gehalten hatte, haben andere wiederum völlig frei eine Gebirgslandschaft gezeichnet. Ich habe mir fest vorgenommen, dass ich beim nächsten Mal auch mir schon eine Vorlage vornehme – oder wie meine Sitznachbarn – mich an dem Raum orientiere, in dem das Schätzchen hängen soll.

Wieder Kind sein

Nach der kurzen Pause ging es weiter und es wurde wilder und exzessiver am Tisch. Meine sonst so ordentliche Anna schmiss ihren Pinsel bei Seite und schmierte mit den Fingern auf dem Bild und auch ich griff hin und wieder zum Spachtel statt zur feinen Borste. Hoppala, was passiert hier grad? Im Nachhinein kann ich genau sagen, was da passiert ist. Wir haben abgeschaltet. Anna und ich. Wir beide haben die Welt um uns herum vergessen und sind in die Welt der Kunst eingetaucht. Als wir wieder auftauchten aus dieser Sphäre waren Helen und Carmen dabei die ersten Gäste zu verabschieden. Wir waren wie zwei Achtjährige, die komplett im Spiel versunken sind und alles um sich herum ausgeblendet hatten. Abschlussrunde, Verabschieden bei den Mit-Künstlern, Gruppenfoto – das alles geschah zwar mit uns, aber der Kopf war nur auf Autopilot geschaltet. „Verrückt, das ist mir lange nicht passiert.“ – „Mir auch nicht“, erwiderte Anna. Dann kam unsere Künstlerin Helen dazu und sagte, wir sollen uns alle Zeit nehmen, die wir brauchen und den Moment genießen. „Oh Gott, wie spät ist es?“ fragte ich Anna. – „Schon 20.45 Uhr.“ Wir warfen uns beide einen Blick zu und waren fassungslos, wie tief wir versunken waren.

Mir ist es egal, ob das Glas halb voll oder halb leer ist; Wichtig ist, wie wunderschön das Glas ist. In diesem Sinne: Liebe Anna, es war ein wundervoller Abend – nicht nur für unsere Freundschaft, sondern auch für uns selbst.

Deine Julia
und
Eure Deichdeern.

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*Für mehr Transparenz:
Dieser Beitrag ist in Kooperation mit ArtNight entstanden. Wir kommen sehr bald, sehr gerne wieder. Es war wundervoll.

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