Über Heldinnen vom Hof und meinem persönlichen Weltfrauentagsmoment

Es ist 03:25 Uhr und ich sitze auf der Eckbank in unserer Küche. Vielleicht ist heute endlich der Tag gekommen, an dem ich unseren Zeitungsboten das erste Mal zu Gesicht bekommen werde. Warum ich hier so früh sitze? Ich kann nicht mehr schlafen. Gut, ich bin um 20 Uhr beim Lütten-zu-Bett-bringen auch weggesegelt. Das hat grad zwei Vorteile: 1. ich hab schon meine 7 Stunden Schlaf gepackt, zweitens ich bin auch schon fertig geschminkt – von gestern.

Die Planung

Gestern, am 8. März, war Weltfrauentag. Dadurch, dass ich das Privileg habe, einen Arbeitgeber in Berlin zu haben, hatte ich gestern tatsächlich frei. So richtig frei, denn der Weltfrauentag ist in Berlin ein Feiertag seit diesem Jahr. Bis Donnerstagabend 18 Uhr sah meine Freitagsplanung wie folgt aus: 7 Uhr in den Zug nach Hamburg zum Friseur, Blogbeitrag schreiben zum Thema Weltfrauentag und #HeldinvomHof, eine Instagram-Challenge, die ich gemeinsam mit Thomas vom Hof Barslund am Donnerstag abgeklüngelt hatte. 12 Uhr Babygeschenk besorgen für eine liebe Freundin und diese anschließend im Krankenhaus besuchen, 15 Uhr Ankunft Nordfriesland, Lütten aus der Kita holen, Torte essen. Abends noch zu einer schönen Podiumsdiskussion nach Husum fahren zum Thema „It’s a mens world – Gleichberechtigung geht uns alle an“.

Die Realität

19 Uhr Anruf von meinem Mann. Er hat den Lütten aus der Kita abgeholt mit Verdacht auf Bindehautentzündung (die aber keine ist laut Arzt). Der Lütte darf Freitag zuhause bleiben. Er fragt, ob er zuhause bleiben soll. Auf meiner to-do-Liste standen ja nur Prio C-Dinge und frei hatte ich eh, also sagte ich meine Termine ab – bis auf die Instagram-Challenge, denn das Faß hatte Thomas bereits schon ins Rollen gebracht. Halb so wild, dann bereite ich alles Donnerstagabend noch vor uns gut ist. Pustekuchen: Erst zog mir die Netzabdeckung zwischen Berlin und Nordfriesland einen fetten Strich durch die Rechnung, dann die Bahn, dann der Anschlusszug (1 Minute Umstiegszeit), die ohne mich in Altona abfuhr, weil meine 8.Monat-Kurzatmigkeit nicht mehr für diese Sprints ausgelegt ist. Stunde warten, Mund abputzen, weitermachen. Irgendwann gegen 22 Uhr kroch ich aus dem Regionalexpress mit dem klaren Ziel: Bett.

Das beste draus gemacht

Am Freitag galt mein Fokus dann erstmal dem Lütten. Wir frühstückten in Ruhe und spielten anschließend ne Stunde mit der Briobahn. Im Hinterkopf hatte ich immer noch diese Challenge, die ich mit anschieben wollte. Mein Innerstes weigerte sich aber das Handy in die Hand zu nehmen. Ich wollte lieber für meinen Sohn da sein. Er erzählte mir von den Zügen und das er fasziniert von ihnen ist. Wir packten spontan die Sachen und fuhren für zwei Stunden nach Sylt. Mit der Bahn versteht sich. Dort angekommen, aßen wir ein dickes Stück Torte bei Café Wien und fuhren wieder zurück. Wo wir grad noch so im Tatendrang waren, ging es auch noch weiter spätnachmittags zu Rathjens Depot für eine Kommode, die mal Wickelkommode werden soll und anschließend zur „schwedischen Botschaft“. Wir haben ja in den vergangenen acht Wochen unser gesamtes Obergeschoss umgebaut. Hab ich bislang noch garnicht so thematisiert hier.

Mein Weltfrauentagsmoment

Auf der Rückfahrt von Kiel wurde ich dann via Radio wieder dran erinnert, dass heute ja Weltfrauentag sei – und ich auch immer noch nichts dazu gepostet habe, wie ich es eigentlich vorgehabt hätte. Stattdessen hatte ich eine richtig gute, wertschätzende Unterhaltung mit meinem Mann über Vereinbarkeit von Familie und Beruf und dass er unfassbar stolz auf mich ist und hinter all dem steht, was ich mache und wie wir unseren Lebensweg zusammen gehen. Und da war er: Mein Weltfrauentagsmoment. All das, was in diesen Tagen gefordert wird zum Thema Gleichberechtigung – ob gleiche Bezahlung, gleiche Aufgabenverteilung im Haushalt oder eine Balance zwischen Beruf und Familie – all das leben wir schon in unser kleinsten gemeinsamen Einheit, unserer Ehe. Sich das bewusst zu machen – und es auch laut auszusprechen und zu hier so auf den Punkt zu benennen, erfüllt mich mit unheimlichem Stolz.

Foto: Anna Huber Fotografie für das Buch „Social Media für Landwirte“ von Jutta Zeisset und Thomas Fabry

#HeldinvomHof

So, und weil ich weiß, das ich im ländlichen Raum nicht die erste bin, die ein gleichberechtiges Leben führt, sondern es ebenfalls viele andere Frauen gibt, die dieses tun, möchte ich euch gerne ein paar Landwirtinnen vorstellen, die täglich „ihren Mann stehen“. Was vor ein/zwei Jahrzehnten noch eine Seltenheit war, ist heute Gang und Gebe und immer mehr Frauen übernehmen die Höfe ihrer Eltern. Die Digitalisierung spielt dieser positiven Entwicklung dabei voll in die Karten, denn heute gibt es wesentlich weniger Arbeiten in der Innen- und Außenwirtschaft, die einen starken Bizeps zur Bedingung machen. Der smarteste Bauer erntet die dicksten Kartoffeln. In diesem Sinne: Hier meine #HeldinvomHof – Favoritinnen, die am 8.März bei der Challenge mitgemacht haben:

Hier zunächst der Aufruf von Thomas: „Denn die Frauen sind diejenigen, die den Laden am laufen halten“

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WELTFRAUENTAG 💁‍♀️👑 Immer mehr Frauen in eher untypischen Berufen für sie, aber genau so ist es richtig. Ich bin so froh darüber, den Weg genommen zu haben, Landwirtin zu werden, entgegen vieler negativen Beeinflussungen. Vielleicht sind Frauen nicht immer so stark wie Männer, vielleicht sehen sie manche Entscheidungen auch emotionaler aber sind in einigen Dingen auch genauer und penibler. Gerade mit Tieren haben die Frauen eine unglaubliche Hingabe. Und das Miteinander macht eine gute Mischung und Harmonie, das sich auch für die Arbeit auszahlt. Meine Schwester @mari030101 lernt auch im Metallbau, sie war in ihrer Firma das erste Mädchen und schlägt sich super gegen die ganzen Jungs 💪 An alle Mädels, macht dass, was euch glücklich macht! Es ist nie zu spät dafür. #internationalwomensday #heldinvomhof #farmher #farmersdaughter #girlsgeneration #girl #topagrar #Deutz #deutzfahr #mädchen #mädls #me #weltfrauentag #farming #farm #Landwirtschaft #landwirtin #agrar #bavaria #bayern #cows #cow #farmgirl #Kühe #love #liebe #landleben #maschinen #tiere #Traktor

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So, jetzt um 5.30 Uhr habe ich meine Zeitungsdame endlich kennenlernen dürfen – und sie mich in Bademantel. Hah!

Ich wünsche euch einen starken Start in das Wochenende und freue mich über jede Frau, die täglich ihren Mann steht und sich für mehr Gleichberechtigung einsetzt – und ich freue mich auch über jeden Mann, der den Text liest und seiner Frau einfach sagt, dass „sie diejenigen sind, die den Laden am laufen halten“ (Zitat Thomas Andresen). Das ist nämlich tausend mal mehr wert als ein Blumenstrauß. Und zum Thema Blumen am Weltfrauentag hier ein Zitat aus faz.de: „Wir wollen keine Blumen [am Weltfrauentag]. Wir wollen faire Bezahlung, wir wollen über unseren Körper selbst entscheiden, wir wollen sichere Geburten, wir wollen Freiheit und Karrierechancen. Wir wollen das nicht nur für uns selbst, wir wollen es für alle Frauen auf der Welt.“ An 364 Tagen im Jahr könnt ihr uns gern Blumen schenken, aber am Weltfrauentag – da zählt eine Umarmung und ein lieber, wertschätzender Satz vom Mann/Vater/Chef/… sonstwem mehr als alles andere.
An dieser Stelle verabschiede ich mich mit einem Schlachtruf einer Girlband aus den 90ern in den frischen Samstagmorgen:
Girlpower!
Eure Deichdeern.

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