Zwischen Instagram-Filterblase und Realität: Mein Corona-Struggle

Moin,

irgendwie überkommt es mich gerade ein paar Zeilen zu schreiben. Seit einer Woche befinde ich mich in einer Art Schwebezustand. Da ist auf der einen Seite meine Instagram Filterblase, in der 80% gefühlt im HomeOffice arbeiten und andere belehren, wie sie sich zu verhalten haben und auf der anderen Seite mein direktes Umfeld. Meine Eltern, mein Bruder – die ganze Firma – Menschen, die Tag für Tag ihr bestes geben, damit Kuh und Schwein etwas zu fressen bekommen. Oder mein Schwiegervater, der Tag für Tag auf dem Hof arbeitet und die Tiere versorgt. Es sagt sich leicht aus dem fünften Stock einer Eimsbüttler Altbauwohnung, dass Oma und Opa nicht mehr aufgesucht werden sollen. Aber was, wenn sie noch voll gebraucht werden?! Ich bin da sehr froh, dass Volker mich regelmäßig erdet und mir auch mal im richtigen Moment einen Julia-reiß-dich-mal-zusammen-Blick schenkt. Und dann geht es auch wieder.

Ja, und dann sind da ja noch die Kinder. Klar, unsere Tochter erfreut sich einfach nur, dass ihr Bruder den ganzen Tag bei ihr ist, aber der fast Vierjährige hat schon Fragen und merkt, dass etwas nicht stimmt. Wir haben es ihm zwar kindgerecht erklärt, aber das alles kann ich über den Haufen werfen, wenn seine langersehnte Geburstags-Buddelparty abgesagt werden muss. Insbesondere, weil Bauhelme und Warnwesten schon bereit liegen und er täglich fragt.

Aber dann sind da auch wieder die anderen Momente. Zum Beispiel habe ich aktuell einen Sonnenbrand, weil ich heute so viel draußen im Garten war. Ein echtes Privileg, insbesondere wenn man mit sieben Leuten heute in einer Telko für die Neue Etage feststellen musste, dass man der einzige mit 2.800m² Grundstück ist. Oder der nette Postbote, der heute auch mal ein Eis auf die Flosse bekommen hat, weil er auch Tag für Tag seinen Job weitermacht.

Heute hat mir Ingo, so heißt der Gute, ein besonderes Paket mitgebracht. Es war von Hutmode Willer aus Kiel/Eckernförde, die ich in meiner Instagram-Story vorgestern erwähnt hatte. Der Laden ist der letzte Modisten (Hutmacher)-Ausbildungsbetrieb in Schleswig-Holstein und wie so so viele andere Unternehmen aktuell bedroht von dem Verdienstausfall. Über eine liebe Followerin habe ich davon erfahren und kurzerhand eine Instastory gemacht. Ganz, ganz viele Menschen haben sich darauf hin dort gemeldet, Hut- und Fascinator-Workshops für Junggesellinnenabschiede oder die Jungen LandFrauen angefragt oder einfach Gutscheine gekauft – so wie ich auch. Die Damen des Unternehmens waren so gerührt, dass sie sich mit einem selbstgemachten Elbsegler bei mir bedankt haben. Einfach so. Ich bin immer noch sehr gerührt. Vielen lieben Dank – und danke auch an alle, die mit mir einen Hut-Workshop machen wollen. Eure Nachrichten habe ich via Instagram gespeichert. Wenn du auch dabei sein willst, gib mir auch gern per Mail (moin@deichdeern.com) Bescheid.

So und jetzt mache ich etwas auf das ich mich schon die ganze Woche freue: Ein Glas Rotwein. Und Lets Dance.

Ihr Lieben, bleibt gesund oder wie mein Opa immer gerne sagte: Hol di fuchtig. Das bedeutet dasselbe. Klingt aber schöner.

Eure Deichdeern.

8 comments Add yours
  1. Moin Julia. Ich war hier und wollte nicht gehen ohne einen Kommentar zu hinterlassen. Viel Kluges fällt mir heute nicht mehr ein, aber für liebe Grüße reicht es immerhin.
    Lg Andrea *kuestenkrabbe2512 *
    #weblievtohuus

  2. Wunderbar geerdet Artikel und ja der erhobene Zeigefinger der Instagrammer nervt. Ich hoffe, die Menschen erinnern sich auch in künftigen Influenza- Zeiten, wie sich ein Mensch mit Hausverstand bei Grippe verhält. LGLo

  3. Liebe Julia, danke für die geerdeten Worte. Sie drücken genau das aus, was mir im Kopf umherschwirt. Sei lieb gegrüßt aus Ostfriesland 😘

  4. Danke für deine Worte. 💛🧡💜 Ich habe auch unter den erhobenen Zeigefingern auf instagram gelitten. Ich habe es ja verstanden und denke leider viel zu viel an das alles, obwohl es hier auf dem Land wirklich noch recht ruhig ist. Und ich kann meinen Schwiegervater, der allein gegenüber wohnt, auch nicht komplett isolieren… Das ist für ihn schlimm. Er braucht uns. So haben wir uns auf Kaffee auf der Terrasse geeinigt. Ja, und auf einem Hof muss die Arbeit eben gemacht werden, und ich glaube, das ist gut so, das erdet. Alles Liebe und haltet gut durch!💜🧡💛

  5. Schöner Artikel….. aber: Mir fällt es auch aus meiner 2 Zimmer- Whng in Eimsbüttel überhaupt nicht leicht, meine 83 Jahre alte Mutter in Dithmarschen „alleine zu lassen“… Normalerweise müsste ich für sie einkaufen, dies und das erledigen, den Garten mit in Schuss bringen und vor allem: Gesellschaft leisten und sie mal in den Arm nehmen. Geht gerade alles nicht… Orga ist abgesagt und es gibt das Telefon. Viel mehr nicht…
    Aber wie auch meine Ma schon immer sagt: Dat ward all!! Bliev to huus un hol di fuchtig! 🙂

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