#AgrarChallenge

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Heute startet eine ganz besondere Challenge: die #AgrarChallenge des Netzwerks Moderne Landwirtschaft. Menschen aus der Landwirtschaft, denen „dieses Internet“ nicht allzu fremd ist, posten eine Woche lang auf ihren Instagram- und wahlweise auch Facebookkanälen-, was sie an ihrer Landwirtschaft fasziniert. Ich dachte mir, ich erweitere das ganze und schreibe es auch noch auf diesen Blog.

Tag 1 der #AgrarChallenge: #dasbinich.

 

 

Das bin ich: Julia. Ich bin 30, Mama eines eineinhalbjährigen, pfützenaffinen Rabaukens und brenne für die Landwirtschaft und vor allem für die Menschen, die dahinter stehen. Aufgewachsen bin ich in einem kleinen familiengeführten Landhandel im Herzen Schleswig-Holsteins. Ich hab Landwirtschaft studiert und dort auch meinen Herzbauern kennengelernt. Für den brenne ich ganz besonders. Deshalb hab ich den auch vor 2,5 Jahren geheiratet. 😉 Er heißt Volker – und nein, anders als sein Name es suggeriert, er ist nicht 55 und ja, ich weiß, dein Vater heißt vermutlich auch Volker. #sovielzumthemanamensgebung

Tag 2 der #AgrarChallenge: #meinelandwirtschaft

Wenn ich jetzt ein landwirtschaftlicher Betriebsleiter wäre, wäre es für mich einfach. Warum? Die bekommen das Darlegen eines sogenannten Betriebsspiegels schon in die Wiege gelegt. In der Landwirtschaft sind knallharte Fakten erwünscht: #weveelkleiannehack #weveelhektar #welchefarvhemdienefelgen

Kurzum: Wer bist du, was hast du. Das lernt man sogar in der Berufsschule. Ich würde sogar überspitzt behaupten, dass nur Tinder oberflächlicher sei. Aber nun gut…

Deshalb nun eine andere Herangehensweise an das Thema. Wenn ich an #meinelandwirtschaft denke, dann denke ich nicht an Hektar, Kuhzahlen, Erträge und Deckungsbeiträge. Ich denke an Generationen, die gemeinsam an einem Tisch essen. Ich denke an Streit, wer wieder mit dem neuen Bauernblatt stiften gegangen ist. Ich denke an Pfützen, durch die ich besonders gerne stapfe, weil mein Schuhwerk es erlaubt. Ich denke an lange Tage und Überstunden ohne Ende. Ich denke an Sonnenuntergänge und den Geruch eines frisch gepflügten Ackers. Und ich denke an dich. Dich und deine grüne Latzhose und deine Gelassenheit. Deine Hingabe, mit der du dich um die Tiere kümmerst. Jedes Tier wird von dir anerkannt und wertgeschätzt.

Das ist #meinelandwirtschaft.

 

Tag 3 der #AgrarChallenge: #meineleidenschaft

Kommunikation ist mein Ding. Das wusste ich schon sehr früh. Andere auch. Unsere LKW-Fahrer im heimischen Landhandel zum Beispiel. Die haben mich früher nie mit auf eine Tour mitgenommen, weil ich zu viele Fragen gestellt habe.

Irgendwann begriff ich, dass ich aus meiner Kommunikationsfähigkeit etwas machen müsste. Ich begann mich ehrenamtlich zu engagieren und den Menschen aus meinem Umfeld die Landwirtschaft zu erklären. Und zwar einfach zu erklären. Prägend dafür war meine Ausbildung zur Bauernhofpädagogin. Komplexe landwirtschaftliche Sachverhalte runterbrechen und für Normalos ‚übersetzen‘. Das kann ich – und wenn dann noch jemand sagt: „Ah, jetzt hab ich das verstanden.“ Dann ist das das größte Lob für mich.

Mittlerweile habe ich #meineleidenschaft für Kommunikation zum Beruf machen dürfen. Ich bin Projektleiterin Netzwerk beim Forum Moderne Landwirtschaft und darf wissbegierige Verbraucher, wie Lifestyle-Bloggerin Clara von tastesheriff, die Landwirtschaft und die Menschen, die dahinter stehen, ein wenig näher bringen.

Mein Ziel ist die Moderne Landwirtschaft wieder in die Mitte der Gesellschaft zu rücken. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

 

Tag 4 der #AgrarChallenge: #kollegen

Kein Post und kein Bild, weil zu viel „analoges“ auf dem Zettel.

Tag 5 der #AgrarChallenge: #businessoutfit

Ein klassisches Businessoutfit habe ich nicht. Den einen Tag trage ich Kostüm und Pumps, den anderen ne lange Elli und Stahlkappenstiefel.

Nichtsdestotrotz möchte ich euch mein Itpiece und ständigen Begleiter nicht vorenthalten: Meine Laptoptasche. #mitamtlichenkaffeeflecken #wiesichdasgehört
Insbesondere auf meinen vielen Bahnreisen werde ich oft auf die Tasche und das Motiv angesprochen. #landwirtschaftimdialog

 

Tag 6 der #AgrarChallenge: #stylingimjob

Neulich hat sich ein Landwirt am Telefon bei mir beschwert, dass er eine Landwirtin im TV gesehen habe, die geschminkt in den Stall gehe. Wo gebe es denn wohl sowas?! Jackpot. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass er bei mir genau die Richtige an der Strippe hatte. […]

In der 9. Klasse bin ich zu Fuß vom Schulschwimmen zur Schule zurückgegangen. Ich traf eine Klassenkameradin, die mich bestürzt in den Arm nahm und sagte, ich bräuchte nichts sagen, man sehe, dass ich krank sei und deshalb ja auch nicht in der Schule war. Ich klärte sie auf, dass ich vom Schwimmen kam und ungeschminkt sei. Eine unangenehme Situation. Für uns beide. Seit dem Tag bin ich nie wieder ohne mindestens ein bis zwei Augenbrauen und ohne Wimperntusche aus dem Haus gegangen.

Ich mach das nicht für den Job, die Tiere, meinen Mann oder sonst jemanden. Ich mach das für mich. Punkt.

 

Tag 7 der #AgrarChallenge: mein #Lieblingsplatz.

Ich mach es kurz und kitschig: Mein Lieblingsplatz ist an deiner Seite.

 

 

#AgrarChallenge Tag Nr. 8: #meinklischeemoment

Damals, 2008, als ich meine Studienbutze in Kiel bezog und das 1.Semester grad anfing, erhielt ich eine Einladung zum Bauer sucht Frau-Schauen. Wie lief sowas ab, fragt ihr euch? Naja, 15 Studenten pressten sich auf das durchgesessene Pannesamtsofa („von Oma“ [Sperrmüll]) und schauten gespannt wie ein Flitzbogen auf den 30 Zoll-Röhrenbildschirm.

„Pssst, es geht los!“, zischte eine Kommilitonin. Heimatklänge à la Carmen Nebel sorgten für reichlich Landlustfeeling im 10m2-Studentenwohnzimmer. RTL zauberte ein ganz besonderes Weltkulturerbe aus dem Hut: Das Scheunenfest. Drölf kleine Bünde Stroh, olle Milchkannen und Zierkürbisse stimmen den Zuschauer ein. Es geht los. Die indiskrete Inka interviewt den introvertierten Ingolstädter Ingo. Ingo, ein ganz verträumter Typ ohne Frisur, aber mit Oberlippenflaum, wünscht sich eine Partnerin. Ansprüche? Sie muss gut mit seiner Mutter klarkommen und einen Faible für Tiere, Gelsenkirchener Barock und Indisch Blau mitbringen. Ingo ist laut RTL-Definition „Landwirt“, das heißt er hat zwei Ziegen, acht Kühe in Anbindehaltung und sammelt Schildkröten. Ach ne, warte. Das war ja der Typ, den Böhmermann bei „Schwiegertochter gesucht“ eingeschleust hat. So, Ingo. Ingo bekommt vier Zuschriften. Allesamt von pfiffigen Praktikantinnen der Redaktionsfirma gebastelt. Eine hat ihm sogar ein Window-Color-Herz gemalt. Wow. Jetzt wird es interessant. Ingo entscheidet sich für die kettenrauchende Katja und Windowcolor-Wendy. Zack, beide untern Arm, eingesackt. Discofox zu den Flippers. Hofwoche folgt.

In der ersten Werbeunterbrechung verschwand ich in die Küche. Auf der Suche nach „irgendwas mit Alkohol“. Zu mir gesellt sich die Mitbewohnerin des Gastgebers. Sie studiert Medizin. „Schon cool, dass es sogar ne Sendung über Landwirtschaft gibt. Ich hätte vorher nie ein Gefühl dafür, wie es wohl in der Agrarbranche und in dem, was ihr da so studiert, abgeht. Die Sendung gibt mir schon einen Eindruck.“

Wow. Und du studierst? – Medizin. – Ah ok, und du hast heute schon eine OP am offenen Herzen gehabt? – Hä, nein, ich studiere ja noch. – Ah, also bist du in der Phase, in der man irgendwo zwischen McDreamy und McSexy entscheiden muss? – Hä nein. Ähm, kann es sein, dass du die Realität mit Grey’s Anatomy verwechselst?! – Jetzt bin ich aber irritiert. Die Sendung gibt mir schon einen Eindruck wie es in Krankenhäusern so abläuft. […]

Liebes RTL-Team, liebe Inka Bause, ich habe jeden Tag mit Landwirten zu tun. Moderne, smarte Typen, die jeden Tag in ihren Ställen und auf ihren Äckern ihr bestes geben. Wenn ihr zur Abwechslung mal moderne Landwirtschaft (aus Deutschland) zeigen mögt, meldet euch gerne bei mir. Ich helfe da gerne weiter. Das macht man in der Landwirtschaft so.

Die detailverliebte Deern vom Deich

 

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