Süßes aus der Region: Die Zuckerrübe

Werbung für die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker

Moin,

Fährt man derzeit übers Land, sieht man in manchen Regionen braune Hügel am Feldrand liegen. Das, meine Lieben, sind Zuckerrüben, die darauf warten, abgeholt und zu Zucker verarbeitet zu werden. 100 % der Rübe werden bei der Zuckerproduktion verwertet – aus ihr entstehen Produkte wie Zucker, Tierfutter, Düngemittel oder Bioethanol. Jedes Jahr von September bis Januar findet „die fünfte Jahreszeit“ auf dem Land statt, die Rübenkampagne. So nennt man die Zeit der Ernte. Aktuell haben wir Halbzeit. Ein perfketer Anlass, um mich mal auf den Weg zu einem Zuckerrübenfeld in die Region Angeln zu begeben. Genauergesagt geht es heute nach Ausacker, südöstlich von Flensburg. Dort habe ich mich mit Sascha Trefflich verabredet.

Sascha Trefflich ist Geschäftsführer des Agrarservice Steinholz. Er arbeitet im Auftrag der Transportgemeinschaft Schleswig-Holstein. Fotos: Julia Nissen/Deichdeern.com

Zählen können ist das A und O

Sascha ist Geschäftsführer des Agrarservice Steinholz. Gemeinsam mit seinem Kooperationspartner, der Transportgemeinschaft Schleswig-Holstein, bietet der Agrarwissenschaftler von der Aussaat über die Ernte bis zur Verladung und Abtransport der Rüben die komplette Bandbreite an. „Durch den Einsatz innovativer Techniken und geschultem Fahrerpersonal gewährleisten wir einen reibungslosen Ablauf und den maximalen Erfolg in der Rübenernte“, sagt er stolz. Na dann will ich mir das doch mal anschauen.

Rübenroderfahrer – ein besonderer Schlag Mensch

Thomas gehört zu den besten Rübenroderfahrern bei Sascha. Er ist ruhig, präzise und sieht alles „aus seinem zweiten Zuhause“, der Fahrerkabine.

Einer der Fahrer ist Thomas. Er fährt heute den Rübenroder und nimmt mich eine Runde mit. Schnell wird mir klar, dass ein Rübenroderfahrer ein ganz besonderer Schlag Mensch sein muss: In sich ruhend, präzise und verantwortungsbewusst. Und ordentlich. Ein Blick auf dem Fußboden zeigt meine dreckigen Gummistiefel auf einer Gummimatte platziert, während Thomas strumpfsock neben mir Platz nimmt. „Außerdem sollte der Fahrer idealerweise noch sehr gut zählen können“, verrät mir Sascha noch bevor ich aufsteige. Warum das? „Ein Roder erntet immer sechs Reihen Zuckerrüben gleichzeitig. Hat sich der Fahrer verzählt, muss er eine Runde extra fahren“, sagt Sascha. Das kostet extra Sprit und Zeit – und das will man natürlich vermeiden. A propos wirtschaftlich…

Sechs Reihen erntet der Roder gleichzeitig. Der Fahrer muss sich voll konzentrieren, wenn er in das Feld hineinfährt. Ab dort übernimmt der Autopilot. Wie beim Flugzeug: Starten und Landen macht der Kapitän selbst, den Rest die Automatik.

Warum wird die Zuckerrübe nicht überall angebaut?

Damit spricht Sascha ein wichtiges Thema an, denn wie steht es eigentlich um die Situation im Rübenanbau? – Long story short: Leider nicht gut. Immer mehr Landwirte geben den Anbau auf, weil sich der Rüben für sie nicht mehr lohnen. Die Zahlen unterstreichen diese Aussage: In diesem Jahr gibt es nur noch 23.600 Rübenanbauer*innen in Deutschland – davon 120 an der schleswig-holsteinischen Westküste und 35 in Angeln. Zum Vergleich: Im letzten Jahr waren es 25.800. Auch die Rübenanbaufläche sinkt, in diesem Jahr um rund 22.000 Hektar im Vergleich zu 2019. Und wieder will ich wissen: Warum?

Der Anbau von Zuckerrüben ist stark rückläufig.

Warum geht der Zuckenrrübenanbau und damit die braunen Hügel am Feldrand so zurück?

Nunja, unsere heimischen Zuckerrübenpreise richten sich nach dem Weltmarktpreis. Der Zuckerpreis (und damit auch der Rübenpreis) ist in den letzten Jahren so extrem gesunken, sodass der Anbau kaum mehr wirtschaftlich ist. Der Preisverfall liegt auch daran, dass die meisten und vor allem die größten Zuckererzeugerländer der Welt, also Brasilien, Indien, Thailand, die Ausfuhr von Zucker auf den Weltmarkt subventionieren. (Ein kleiner Fakt zwischendurch: In den Ländern wird der Zucker aus Zuckerrohr gewonnen. Chemisch ist der Zucker aber identisch. Egal, ob aus Rübe oder Rohr.) Die Rübenanbauer*innen kämpfen darum, dass diese Wettbewerbsverzerrungen aufhören. Was bedeutet das genau?

Ungerechtigkeit am Weltmarkt

In den anderen EU-Ländern können Anbauer*innen diesen Preis besser ausgleichen als in Deutschland. Denn – und jetzt wird es agrarpolitisch, pardon – in elf EU-Mitgliedstaaten (von 19 EU-Ländern, in denen Rüben angebaut werden) erhalten Landwirte gekoppelte Zahlungen also Sonderprämien, für den Rübenanbau. Das ist das eine.

Ein Roder in Aktion: Erst werden die Blätter abgeschlegelt, kleingehäckselt und in der Erde untergemischt, dann folgt das Roden. Silberne Rodeschare (hier weit rechts im Bild) heben die ca. 1,5kg schwere Rübe aus der Erde.

Das andere ist, dass es auch noch beim Pflanzenschutz in zwölf Ländern Sonderregelungen gibt. In Deutschland natürlich nicht. Das macht das ganze nochmal unattraktiver, denn die „Königin der Feldfrüchte“ ist ganz schön sensibel, was Blattkrankheiten und Schädlinge, wie Blattläuse, anbelangt. Der einzig verfügbare wirksame Schutz ist die Behandlung von Saatgut mit sogenannten Neonicotinoiden. Das sind bestimmte Insektizide. Diese wurden 2018 aber EU-weit verboten. Allerdings bevor es wirksame Alternativen gab – gegen die verbliebenen Mittel sind Blattläuse bereits oft resistent. Zudem sind sie teurer und müssen oft mehrmals gespritzt werden. Aus diesem Grund haben elf EU-Länder für 2020 durch Notfallzulassungen den Einsatz von Neonicotinoiden erlaubt. Deutschland nicht.

Aus 7 Zuckerrüben (also 7 Kilo Rüben) wird 1 kg Zucker.

Warum lohnt es sich überhaupt noch Rüben anzubauen?

In einem fairen Markt wäre der Zuckerstandort Deutschland super aufgestellt. Unsere Böden bieten in vielen Regionen optimale Voraussetzungen für die Rübe und die Anbau- und Produktionsverfahren sind in Deutschland sehr effektiv. Wenn noch mehr Landwirte den Rübenanbau aufgäben, hätte das Konsequenzen. Denn: Die Zuckerrübe schafft Arbeitsplätze im ländlichen Raum – in der Landwirtschaft, den Fabriken und bei Dienstleister*innen wie Sascha oder Thomas. Es gibt vier Zuckerunternehmen in Deutschland an 18 Standorten. Die Regionen profitieren gleichzeitig durch kommunale Einnahmen durch die Zuckerwirtschaft. Wenn der Rübenanbau aber zurück geht, gibt es ggf. nicht mehr ausreichend Rohstoff für die Fabrik und sie muss schließen.

Um Zeit zu sparen, überläd der Roder die Rüben während der Fahrt.

Puh, das waren jetzt ganz schön viele Fakten. Mein Fazit von der Zeit mit Thomas und Sascha ist in jedem Fall, dass die Zuckerrübe auf jeden Fall erhalten bleiben muss in unserer Kulturlandschaft – aber es die kommende Zeit nicht grad einfach wird. Weder für die „Königin“, noch für die Rübenbauern.

Eure Deichdeern

Für mehr Transparenz: Dieser Artikel ist in Kooperation mit der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker entstanden. Ich freue mich riesig über die Zusammenarbeit und hoffe, dass ich noch viel öfter mitfahren darf auf dem Roder. An dieser Stelle auch nochmal Danke an Sascha und Thomas.

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