Corona und die Gastronomie: So reagiert mein Husumer Lieblingscafé auf den Lockdown

Werbung für das Künstlercafé in Husum

Moin,

ich denke grad zurück an die Vorweihnachtszeit 2019. Ein Pflichtprogramm ist für mich der Einkauf in der Husumer Neustadt. Kleine, inhabergeführte Läden haben alles prachtvoll geschmückt. Ein besonderer Zauber liegt in dieser besonderen Fußgängerzone. Am Rand stehen zwei junge Mädchen. Eine spielt Gitarre, die andere singt „Dicke, rote Kerzen“, eines meiner absuten Lieblingslieder zur Weihnachtszeit:

„Dicke rote Kerzen, Tannenzweigenduft
Und ein Hauch von Heimlichkeiten liegt jetzt in der Luft
Und das Herz wird weit, macht euch jetzt bereit
Bis Weihnachten, bis Weihnachten
Ist nicht mehr weit“

Liedtext „Dicke, rote Kerzen“

Wir bummeln mit den Kindern durch die Neustadt und enden im Künstlercafé von Martin Bühler und Katharina Jaglewicz-Bühler, zwei herzliche Husumer Gastronomen, die für die besten Tartes im Umkreis von 100 km bekannt sind. Mindestens. Wir legen unsere schweren Wintermäntel ab und freuen uns über den molligwarmen Platz neben dem Holzofen. Das Knistern des Brennholzes, der Duft des frisch aufgebrühten Kaffees am Tisch sowie die opulenten Blumenbouquets stellen alle Synapsen auf Weihnachten ein.

2020 – Bonjour tristesse

Jetzt haben wir 2020 – und alles ist anders. Ich gehe durch die Husumer Neustadt. Nieselregen peitscht mir ins Gesicht. Kein Zauber, keine Musik. Bonjour tristesse. Ich habe mich mit Martin Bühler verabredet. Möchte von ihm wissen, wie es ihm und seiner Frau in dieser besonderen Zeit als Inhaber des Künstlercafés geht. Damit ihr ein Gespür für das Café bekommt: Es ist der Inbegriff von „Hygge“. Dabei ist es egal, ob man im Sommer einen Platz im liebevoll arrangierten Hintergarten ergattert und Prosecco trinkt oder es sich im Winter drinnen neben dem Kamin mit einer Kaffeespezialität gemütlich macht. Dazu ein Stück dieser himmlischen Tartes, die Katharina Bühler selber backt. Jede Nacht. Sieben Tage die Woche. Es schmeckt wie Poesie für den Gaumen.

„Wir halten uns an alle Regeln – und werden wir dafür mit der erneuten Schließung abgestraft. Es ist unglaublich.“

Bringen das französische Lebensgefühl seit mehr als fünf Jahren nach Husum: Martin Bühler und seine halbfranzösische Ehefrau, Katharina Jaglewicz-Bühler. Foto: Hauke Morfeld

Normalerweise kreiert die Pâtissière über 70 Tartes die Nacht. Aktuell sind es fünf bis sechs. Martin Bühler verrät mir, dass ihn 2020 ganz schön zu schaffen macht. Insbesondere der „Lockdown light“ aktuell. Er sagt: „Wir haben uns an alle Vorgaben gehalten, ein hervorragendes Hygienekonzept ausgearbeitet, alle Angestellten einmal die Woche freiwillig zum Covid-Test geschickt, große Leinwände mit französischen Landschaftsbildern bedrucken lassen als Trennwände, um die Atmosphäre und den Schutz unserer Gäste zu gewähren – und wofür?!“ Er schaut mich ungläubig an. „Nun werden wir dafür mit der erneuten Schließung abgestraft. Es ist unglaublich.“

Die Lösung: Das Tarte-Taxi

Martin und Katharina Bühler haben acht Angestellte, fünf Vollzeit, drei Teilzeitkräfte. „Alle sind in Kurzarbeit. Es ging nicht anders.“ Bedrückte Stimmung am Tisch. Martin nimmt einen tiefen Luftzug und zeigt auf den Tisch hinter uns. Dort werden gerade frische Tartes fotografiert. „Aber wir geben nicht auf“, sagt er entschlossen. „Hier entstehen grad neue Fotos für die Homepage.“ Binnen kürzester Zeit hat sein gesamtes Cafégeschäft „ausgelagert“. „Wenn die Kunden nicht zu uns kommen können, kommen wir zu den Kunden.“ Im Umkreis von 10 Kilometer liefert er täglich die opulenten Frühstücke und köstlichen Kuchen und Tartes aus. „Schon bereits ab einem Stück Kuchen fahren wir los – und erfreuen uns über den Zuspruch unserer Gäste“, verrät er mir.

„Wenn die Angehörigen ihren Verwandten im Heim etwas Gutes tun möchten, bestellen sie bei uns ein paar Leckereien und wir liefern es aus.“

Und damit kommt er ganz schön rum. So hat er beispielsweise auch schon nahezu jedes Seniorenheim in Husum beliefert. „Wenn die Angehörigen ihren Verwandten im Heim etwas Gutes tun möchten, bestellen sie bei uns ein paar Leckereien und wir liefern es aus. Gern auch mit einer persönlichen Widmung.“ Mich rührt das sehr. Meine Oma und Opa sind beide auch aktuell im Heim. Sie nicht besuchen zu können, bricht mir das Herz. Ein Stück Kuchen ersetzt natürlich nicht das persönliche Miteinander, aber es gibt dem Einwohner/der Einwohnerin zumindest das Gefühl, dass jemand an sie denkt. Würde es so ein Angebot in meiner Heimat geben, wäre ich die Erste, die beiden ein Stück Weincremetorte senden würde.

Und so kommst du aktuell auch in den Künstlercafé-Genuss:

  1. Du kannst online, telefonisch oder direkt vor Ort bestellen. Das Künstlercafé ist von 9 bis 18 Uhr täglich geöffnet.
  2. Zur Auswahl stehen unterschiedliche französische Frühstücke, warme Speisen wie Ofenkartoffeln, Quiches, sowie ein reichhaltiges Kuchen- und Tartesangebot. Ob das Künstlercafé wohl seinen Namen von den wundervoll dekorierten Tartes hat? Es wäre in jedem Fall gerechtfertigt. Dieses könnt ihr auch schon online anschauen.
  3. Die Bezahlung läuft auch online oder direkt vor Ort, wenn ihr eure Speisen abholt.
  4. Und dann kommt der schönste Teil: Zurücklehnen und genießen.

Gutes Tun in der Weihnachtszeit: Deichdeern shuttelt den Systemrelavanten unseres Kreises ein Frühstück am Heiligabend auf die Arbeit

Als Martin und ich uns so über die vielen Stationen und Altenheime unterhalten, die er aktuell in Husum und Umgebung so beliefert, kommt uns eine Idee. Er möchte den systemrelevanten Menschen, die Heiligabend arbeiten, etwas Gutes tun. Und deshalb verlost das Künstlercafé Husum fünf Frühstücke (à max. 10 Personen). Dieses wird an Heiligabend bis 11 Uhr von mir persönlich zu Ihrer Arbeitsstätte geliefert. Bedingung ist, dass es ein systemrelevanter Beruf ist, den Sie und Ihre Kollegen ausüben und sie Heiligabend vormittags arbeiten. Sie können auch jemanden überraschen und den im Formular eintragen.

Das Frühstück wird am Vormittag von Heiligabend, den 24.12., direkt von mir in Ihr Büro/auf Ihre Station/… geliefert. Ausgelost wird am 15.12.2020. Die Gewinner werden im Anschluss benachrichtigt.

Hier wird ab kommenden Jahr das Künstlercafé einziehen. Martin und Katharina nutzen den Lockdown light gerade, um schon mal das ein oder andere aufzuräumen für die bevorstehende Sanierung.

Wie geht es weiter? Ein Umzug in Hartmanns Landküche ist geplant

Seit über fünf Jahren gelingt es Katharina Jaglewicz-Bühler und Martin Bühler nun schon durch ihre hochwertigen Speisen mit dem Künstlercafé ein Stück französisches Lebensgefühl nach Nordfriesland zu transportieren. Lasst uns alle dafür sorgen, dass sie uns noch lange erhalten bleiben. – Zumal sie große Pläne haben: Das Ehepaar hat Hartmann’s Landküche gegenüber gekauft und wird dort mit dem Künstlercafé einziehen. Mit Toskanagarten natürlich inklusive. Da freue ich mich als baldige Kinderwagenschieberin natürlich nochmal um ein Vielfaches mehr drüber, das Café künftig ebenerdig betreten zu können. Mir hängt die Neustadt wirklich am Herzen – deshalb werde ich euch auch bei der Renovierung und dem Umzug des Cafés hier auf dem Blog und auf meinen Kanälen auf dem Laufenden halten.

Dann kann Weihnachten ja kommen…

Ja und nun?! Nun ist Montag nach Totensonntag. Ich hole die Weihnachtsdeko vom Dachboden, nehme mir ein Stück von der Tarte, die ich für uns zuhause mitgenommen haben und lege zum ersten Mal in diesem Jahr „Dicke, rote Kerzen“ auf, schließe die Augen, genieße jeden Bissen und lausche dem Text, der passender nicht sein könnte (ok, bis auf den Schnee):

Lieb verpackte Päckchen überall versteckt
Und die frisch gebackene Plätzchen wurden schon entdeckt
Heute hat’s geschneit, macht euch jetzt bereit
Bis Weihnachten, bis Weihnachten
Ist nicht mehr weit

Liedtext „Dicke, rote Kerzen“

Einen schönen Start in die Weihnachtszeit,
Eure Deichdeern

Für mehr Transparenz: Dieser Beitrag ist in Kooperation mit dem Künstlercafé Husum entstanden und daher als „Werbung“ gekennzeichnet.

5 comments Add yours
  1. Bestes Café 😍😍. Wir nehmen auch regelmäßig jetzt im Lockdown Lightning was mit nach Hause- für den nächsten Tag zum Kaffee.😂😂 die Tartes und Kuchen werden in der Regel gleich zu Hause vernascht.
    Ich freue mich schon auf die sonnigen Tage im Garten des Künstlercafes. Das fühlt sich an wie ein kleiner Urlaub.

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