Milch in der Diskussion: Genuss ohne Reue?

Moin,

als kleiner Schuss in den morgendlichen Kaffee oder als großes Glas und pur: Milch! Viele schätzen ihren erfrischenden Geschmack und ihre wertvollen Bestandteile, die nicht nur den Kaffee, sondern auch das Müsli, den Milchreis oder den Haferbrei verfeinert. Doch Milch und die Milchproduktion sind in letzter Zeit immer häufiger in die Kritik geraten. Ist sie gerechtfertigt? Oder ist der Genuss ohne Reue möglich?

Von der Hand in den Mund

Es ist kein Geheimnis, dass Milchbäuerinnen und Milchbauern sich schon lange und immer wieder über die Milchpreise beschweren. Europaweit ist das Milchpreisniveau gering – sogar so gering, dass die Landwirte nicht einmal kostendeckend arbeiten können und von der „Hand in den Mund“ leben müssen. Dies gefährdet die Zukunft einiger Milchbetriebe und macht zukunftsträchtiges Wirtschaften unmöglich.

Der Beitrag der NDR-Sendung „Panorama“ vom 22. Februar 2021 fasst Teile der aktuellen Problematik zusammen.

Hochleistungstier Milchkuh

Neben der Preispolitik steht häufig das Tierwohl in der Kritik. Viele haben die Sorge, dass bei der stetigen Erhöhung der Milchleistung, die artgerechte Haltung im Vordergrund steht. Denn die Milchleistung der Kuh hat sich in den 50 Jahren vervielfacht. Heute gibt es zwar weniger Milchkühe als früher, aber diese bringen immer höhere Leistung. Waren es beispielsweise in den 1950ern 2.500 Kilogramm pro Jahr, sind es heute durchschnittlich 8.000 bis 11.000 Kilogramm pro Jahr.


Der Podcast der der Zeitung „Süddeutsche“ skizziert, wie es um das Tierwohl der Milchkühe steht.

Doch ist diese Kritik berechtigt? Zum Teil leider ja, denn auch bei diesem Thema wirkt sich der Preisdruck auf das Tierwohl aus. Während Wissenschaft und Politik das Tierwohl mit Projekten, wie Nationales Tierwohl-Monitoring, kurz NaTiMon, zu verbessern, kann jede*r schon bei seinem Verbraucher*innen-Verhalten anfangen die Situation für Landwirt*innen und Milchkühe zu verbessern. Grundsätzlich gilt: je regionaler und teurer die Milch, desto besser.

Wenn Verbraucher*innen Chef*innen sind

Es gibt noch weitere Möglichkeiten faire Milch zu konsumieren. Neben vielen kleinere Initiativen, versucht der Verein Du bist hier der Chef! landwirtschaftliche Produkte zu fairen Konditionen anzubieten. Auf der Homepage des Vereins stimmen Verbraucher*innen über die Produktmerkmale, wie Herkunft, Produktionsprozess, Vergütung für die Landwirte, Qualität, Tierwohl, Verpackungsart und bestimmen so den Verkaufspreis mit. Anschließend wertet der Verein alle Antworten aus und so entsteht ein demokratisches Produkt, das gut für Verbraucher*innen und Landwirt*innen gut ist.

Die Idee von „Du bist hier der Chef!“ kommt aus Frankreich und macht in vielen europäischen Staaten bereits Schule. Neben der Milch sind weitere Produkte, beispielsweise Butter, Eier und Kartoffeln, in Planung.

Die Milch dieser Initiative gibt es schon in unterschiedlichen Supermärkten zu kaufen – jedoch nicht in ganz Deutschland. Der Preis für einen Liter Milch liegt bei 1,45 Euro pro Liter und 58 Cent gehen davon an die produzierenden Landwirt*innen.

Milch trinken ohne Reue?

Es sieht so aus, dass das Thema immer mehr in den Fokus rückt und sich langsam etwas bewegt – wahrscheinlich jedoch zu langsam. Doch was müsste sich aus eurer Sicht schnell verbessern? Was haltet ihr von „Du bist hier der Chef!“? Und seid ihr bereit 1,45 Euro für einen Liter Milch zu zahlen? Schreibt eure Meinung gern in die Kommentare oder schickt eine Mail an moin@deichdeern.com.

Euer Simon aus dem Deichdeern-Team

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