Maiszüchtung: Von der Nische zum Star

Gesponserter Beitrag von Lidea, einem Zusammenschluss zwischen der EURALIS Saaten GmbH und der CAUSSADE Semences Group

Moin,

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2017: Mein Beitrag für das Keimblatt, der Kundenzeitschrift von Euralis.

wenn ich durch meine erfolgreichsten Blogbeiträge scrolle, dann fällt einer ganz besonders auf: „Agrotheken-Umschau: So erkennen Sie Maisfieber in der Familie„. Der Artikel ist ein Evergreen. Er beschreibt auf humorvolle Art und Weise, wie sich verschiedene Homo Sapiens verhalten, wenn die Maisernte ansteht. Kinder bekommen einen langen Hals vom nervösen aus-dem-Küchenfenster-Geschaue.

Einst 2017 geschrieben für das Kundenmagazin „Keimblatt“ der Saatgutfirma Euralis. Heute, vier Jahre und eine Pandemie später, haben wir dazugelernt und verzichten auf Krankheitsgags. Stattdessen widmen wir uns dem Ursprung des Ganzen, denn bevor der Mais geerntet werden kann, war er ja irgendwann mal ein Saatkorn. Und genau das schauen wir uns genauer an. Dazu habe ich mit zwei ausgewiesenen Experten, Paulo Dill und Oliver Becker von Lidea, videotelefoniert und mir ein paar Fragen beantworten lassen. Ihr lest hier Euralis und Lidea – was denn nun? Dazu hier eine kleine Info zum Unternehmen vorab.

Lidea als Unternehmen

Tief verwurzelt im Südwesten Frankreichs und entstanden aus dem Zusammenschluss zwischen EURALIS Semences und der CAUSSADE Semences Group, entwickelt sich Lidea zu einer modernen, internationalen Marke. Als eines der führenden Unternehmen auf dem europäischen Saatgutmarkt steht Lidea für die Entwicklung und das Angebot innovativer, individueller und nachhaltiger Saatgutlösungen vielfältiger Kulturen, die den europäischen Landwirten über das gesamte Anbaujahr einen Mehrwert bieten. Lidea, das sind vor allem 2.000 Mitarbeiter, die sich mit Leidenschaft für den Fortschritt der Landwirtschaft einsetzen und diesen durch innovative Projekte vorantreiben.

Ob Züchter, technische Experten, Vertriebsmitarbeiter oder Innendienstmitarbeiter, sie alle sind bestrebt einen Beitrag für die Landwirtschaft von morgen zu leisten. Lidea arbeitet Hand in Hand mit den Landwirten. So können die Teams von Lidea umfassendes Know-how mit optimalen Sortenlösungen anbieten, die an die Erwartungen der Kunden, die agronomischen Bedürfnisse und die gesellschaftlichen Herausforderungen angepasst sind. In einer Zeit, in der die Landwirtschaft grundlegende Veränderungen erfährt, investiert Lidea in Forschung und Entwicklung, um die Landwirtschaft von morgen schon heute zu unterstützen.

Mais – von der Nische zum Star!

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Mais in Deutschland eher eine Nischenkultur – vorwiegend in Baden, Bayern und Ostdeutschland. Aufwändige Handarbeit beschränkte den Anbau, und die Erntetechnik war bescheiden. Erst nach dem 2. Weltkrieg – weit in den 60er Jahren startete der eigentliche Maisboom. Züchtung ermöglichte den Maisanbau schrittweise in ganz Deutschland. So wuchs die Maisfläche seit 1950 mit 50.000 Hektar auf 500.000 Hektar in 1975, 1 Million in 1994 auf 2,5 Mio. Hektar in 2017.

Interview mit Paulo Dill und Oliver Becker

Paulo Dill ist Crop Manager für Mais und Sorghum bei Lidea und zuständig für die Region Nord-West-Europa. Oliver Becker ist Produktmanager für (frühen) Mais. Sein Arbeitsgebiet liegt zwischen Portugal und Russland sowie Skandinavien bis Ungarn.

Wir fangen ganz banal an. Wie funktioniert Maiszüchtung?

Dill: Pflanzenzüchtung gibt es schon sehr lange. Man hat beim Anbau verschiedener Kulturen immer drauf geschaut, welche Pflanze besonders gut durch die Vegetation gekommen ist und von welcher der beste Ertrag zustande kam. Diese wurden selektiert und mit denen wurde weiter Ackerbau betrieben. So machen wir das heute auch noch. Wir suchen aus unterschiedlichen genetischen Pools Eigenschaften oder Merkmale, die eine spätere Sorte aufweisen soll. Wir brauchen für die Züchtung zwei Elternlinien, die wir miteinander kreuzen. So entsteht die F1, die sogenannte Tochtergeneration. Bei dieser Hybridzüchtung, insbesondere bei Mais, ist das sehr spannend, denn wir haben bei den Hybriden sehr hohe Heterosiseffekte.

Jetzt fiel der Begriff Heterosis. Was ist das genau?

Dill: Das Prinzip der Hybridzüchtung beruht darauf, dass geeignete, in zeitaufwändigen Verfahren ingezüchtete Maispflanzen einmalig miteinander gekreuzt werden. Die Nachkommen zeigen gegenüber der Elterngeneration ein üppigeres Wachstum und einen höheren Ertrag. Dieser Effekt wird in der Fachsprache als Heterosis bezeichnet. Ein Beispiel: Wenn wir zwei fremden Elternlinien – beide sagen wir mal ein Meter hoch – miteinander kreuzen und eine Hybride mit 3,50 m Länge entsteht, sprechen wir von einem Heterosis-Effekt. (Anmerkung der Redaktion: Neben Mais, ist die Hybridzucht insbesondere auch bei Roggen, Sonnenblumen, Zuckerrüben, Zwiebeln, Gurken, Blumenkohl, Fichten, Kiefern und Pappeln üblich.)

Die Entstehung der Maiszüchtung. Grafik: die-pflanzenzuechter.de

Wo wird Mais gezüchtet? Ist das überall möglich?

Dill: Es gibt bestimmte Vermehrungsregionen. In Deutschland ist die bekannteste der untere Rheingraben (ca. 4.128 ha laut Deutschen Maiskomitee). Ansonsten wird viel Saatgut in Frankreich, Südosteuropa, der Ukraine sowie Russland produziert. Unsere Züchtungsstandorte sind vor allem in Frankreich, weil Lidea ein französisches Unternehmen ist. In Deutschland bieten wir aktuell 89 verschiedene vertriebsfähige Sorten an plus 20 neue Stämme, die getestet werden.

Welche Eigenschaften hat eine perfekte Maissorte?

Dill: Die Zuchtziele hängen stark von der jeweiligen Anbauregion und der Nutzungsform (Körner- oder Silomais) ab. Beim Silomais sind neben dem Ertrag auch die konstante Verbesserung des Futterwerts, also Energiedichte, Stärkegehalt und Verdaulichkeit, (Anmerkung d. R.: Kühe fressen Mais in Form von Silage.) aber auch die Standfestigkeit entscheidend. Wir brauchen aber auch tolerante Sorten gegen Kälte oder Hitze. Der Klimawandel ist da auch allgegenwärtig. Allerdings geht Toleranz auch immer auf Kosten des Ertrages. Ein super spannendes Feld, in dem wir nicht zuletzt auch viel Austausch mit dem Kunden in der Praxis selbst benötigen.

Um hohe Erträge zu erzielen, stellt die Kältetoleranz ein wichtiges Zuchtziel dar. Die Vielfalt ist deutschlandweit inzwischen so groß, dass für die unterschiedlichsten Regionen und Böden sowie Nutzungsrichtungen angepasste Sorten zur Verfügung stehen. Eine weitere Aufgabe für uns st es, die Resistenz der Maispflanzen gegenüber Krankheiten und Schädlingen zu erhöhen. Wir müssen dabei vorausschauend agieren. Die durchschnittliche Entwicklungszeit einer Sorte beträgt ca. acht bis zehn Jahre. Davon entfallen ca. fünf Jahre auf die Linienentwicklung (Inzucht) und weitere fünf Jahre auf das Prüfen des Produktes, also der Hybride und der Anmeldung.

Sie sind beide im Produktmanagement tätig. Wie kann ich mir Ihren Job vorstellen?

Becker: Als Produktmanager bilden wir die Schnittstelle zwischen Züchtung, Marketing und Vertrieb. Dazu sind wir sehr viel unterwegs. (Anmerkung der Redaktion: Herr Becker war zum Zeitpunkt des Telefonates in Österreich, anschließend ging es nach Belgien.) Wir gestalten das Portfolio mit, stellen unserem Vertrieb wichtige technische Informationen zu den Sorten zur Verfügung, nehmen Reklamationen entgegen, usw. Besonders schön ist, dass wir auch bei der Kreation neuer Sortennamen unsere Vorschläge mit einbringen dürfen.

Was ist der schönste Moment in Ihrem Job?

Beide: In jedem Fall das Produkt in der Praxis zu sehen. Zum einen die Sorte, wie sie auf dem Feld steht, aber auch ob Theorie und Praxis wie erhofft übereinstimmen.

Vielen Dank für das Interview.

Eure Deichdeern

Für mehr Transparenz: Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Lidea entstanden. Mir war es super wichtig, dass wir auch die Züchterische Seite beleuchten. Umso mehr freue ich mich, dass wir Lidea hierfür gewinnen konnten.

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