Gemeinsam in eine Richtung: Der Hof Thomsen in Holt

„Frauen vom Land sind altbacken und unmodern?“ Ich möchte ehrlich sein: Ich kann es nicht mehr hören. Ebenso wenig kann ich es auch nicht mehr hören, dass ich oft als „Leuchtturm“ wahrgenommen werde à la: „Julia, du bist doch viel moderner als der Rest.“ Ganz ehrlich nein, bin ich nicht. Ich bin ganz normal – ich schreib bloß drüber. Weil andere nicht drüber schreiben, übernehme ich das jetzt für sie. Es gibt jetzt also eine neue Rubrik, in der ich euch regelmäßig moderne Frauen vom Land vorstelle. Den Anfang macht die großartige Eike Thomsen aus Holt im Kreis Schleswig-Flensburg.  

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Eike Thomsen aus Holt

Dort, wo sich Fuchs und Igel Gute Nacht sagen, liegt die beschauliche 185-Seelen Gemeinde Holt. Eike Thomsen strahlt über das ganze Gesicht: „Willkommen auf unserem Hof. Ich hoffe, du hast dich nicht verfahren.“ Eine ironische Anspielung auf die Tatsache, dass Holt gefühlt nur aus einer Straße besteht. Sie nimmt einen tiefen Atemzug und schaut gen Stall. „Auf unserem Hof ist dieses Jahr ganz schön viel passiert. Wir haben von konventionell auf bio umgestellt, einen Regiomaten, eine Milchtankstelle und ein Hühnermobil angeschafft“, sagt sie mit stolzer Stimme und klarem Blick. Ihr Mann Peter Michael kommt dazu und stellt sich eng an die Seite seiner Frau. An seiner Hand ist die kleine Sinja. Sie ist mit vier Jahren die Jüngste im Thomsenclan und hat heute Kindergartenfrei. „Wir haben ein straffes Jahr hinter uns. Motiviert hat mich besonders, dass wir uns immer einig sind. Alle betrieblichen Entscheidungen treffen wir gemeinsam“, erzählt Peter Michael und blickt in Eikes Richtung. Sie nickt zustimmend.

Bevor Eike vor ein paar Jahren in Vollzeit auf den Hof gegangen ist, war sie für eine landwirtschaftliche Beratung für Bio-Betriebe in Dänemark tätig. „Ich hab immer gearbeitet, auch mit den Kindern. Als ich mit dem vierten Kind immer noch 25 Stunden die Woche unterwegs war, fielen wir die Entscheidung, meine Arbeitskraft voll auf den heimischen Betrieb zu verlagern“, so die Diplom-Agraringenieurin. „Doch wenn ich was mache, dann richtig. Wir haben immer auf unsere Beratung gehört: Bullenmast weg, erweitern und standen durch auch nicht besser da. Hinzukamen, dass im Umkreis von zehn Kilometern zwölf Biogasanlagen stehen und das gewaltig auf den Pachtmarkt drückt. Erweitern war folglich keine Option. Dann haben wir das Ruder selber in die Hand genommen und uns für die Umstellung auf Bio und die Direktvermarktung entschieden“, bilanziert die patente Frau.

„Angefangen hat unser ganzes Vorhaben mit den Hühnern. Ich wollte Hühner und die Eier selber unters Volk bringen, also vereinbarten wir einen Termin mit einem Automaten-Vertriebler. Ihr Mann schmunzelt und zeigt auf den Regiomaten: „Ursprünglich wollten wir so einen, um die Eier zu vermarkten. Als der Vertreter wegfuhr hatten wir eine Milchtankstelle gekauft.“ Statt die Bestellung zu stornieren, orderten sie nach einer Woche Bedenkzeit noch den Regiomaten en top. „Ganz oder garnicht“, schlussfolgert der Landwirt trocken.

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Die Umstellung auf biologische Milchproduktion haben beide in rekordverdächtigen 13 Monaten vollzogen. „Das ging nur, weil wir unsere Silage komplett verkauft haben und Bio-Silage aus Dänemark zu kaufen konnten. Jeden Schritt haben wir mit der Kontrollbehörde gemeinsam gemacht und sie auch mit zu den dänischen Betrieben genommen“, so der Milchbauer. Seine Frau ergänzt: „Mir war wichtig, dass es Betriebe sind, die Waagen haben. Mit der Silage einschätzen ist das ja sone Sache. Durch meinen Job kannte ich einige Betriebe, mit denen wir hervorragend zusammen arbeiten konnten.“ Den Ackerbau mussten sie nicht großartig umstellen, da sie schon vor der Umstellung viel Kleegras in der Fruchtfolge hatten und auf mineralischen Dünger verzichteten. „Nun melken wir seit 1. Juni ökologisch und unsere Milchleistung ist nur um 500 kg auf 9.000 kg gesunken.

Also, wer noch nach einem schönen Einkaufsziel sucht, die Thomsens haben auch sonntags geöffnet. Zur Facebookseite des Hofes geht es hier entlang. 

Hier gibt es übrigens eine Übersicht mit allen Milchtankstellen, die in Deutschland sind.

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Peter Michael, Eike und die jüngste Tochter Sinja Thomsen.

 

2 comments Add yours
  1. Liebe Deichdeern!
    Danke für diese tolle Serie die du hier ins Leben rufst.
    Ich wohne mittlerweile als eigentliche „Nichtbäuerin“ auf dem Hof meines Mannes, und kämpfe ständig mit dem alten Rollenbild der Bäuerin, welches ich nicht erfüllen kann und will. Auch ich werde bestimmt irgendwann die richtige Rolle auf dem Hof finden, und genau da tut mir dein Blog wahnsinni gut, denn er inspiriert mich einfach.

    Vielen lieben Dank dafür, du weißt gar nicht was du da für manche Damen bewirkst.

    1. Liebe Monika, Danke für deine wertschätzenden Worte. Das tut sehr gut.😊 Dafür mache ich das ganze hier. Ich freue mich, wenn die Inspirationen ankommen. Viele liebe Grüße Julia

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