Typisch Nordfriesisch – Teil 2

Hier kommt er: der langersehnte, viel nachgefragte Teil 2 meines „Typisch Nordfriesisch“-Beitrages. Ich freue mich sehr, dass euch Teil 1 schon zugesagt hat. Solltest du den ersten noch nicht gelesen haben, dann findest du den hier. Dort habe ich mich mit dem Verkehr, den Berufen, der Sprache und dem Essen gewidmet. Dieses Mal möchte ich einen Einblick in die kulturellen Highlights geben.

In Nordfriesland gibt es eine dicke Bandbreite an jahrhundertealter Traditionen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Solltet ihr mal in die Gelegenheit kommen an so einer Tradition oder einer Festivität teilzunehmen, macht es. Es lohnt sich – und im Regelfall gibt’s immer Schnaps. Hier eine kleine, aber feine Auslese an Bräuchen und Traditionen über das Jahr verteilt.

Biikebrennen am 21. Februar

Was wäre der Friese ohne seine Biike?! Jedes Jahr lockt dieses gesellschaftliche Rencontre der Extraklasse alle Dorfbewohner aus ihren Häusern, um gemeinsam bei Punsch mit Geschmack am Feuer zu stehen und mittels eines großen Feuers den Winter zu vertreiben. Kleine Kritik an dieser Stelle: Hat in diesem Jahr irgendwie nicht so geklappt. Also das mit dem Winter vertreiben. Das mit dem Punschen schon.

Nationalsport Ringreiten

Regel Nummer 1: Mach dich niemals nie (!) über das Ringreiten lustig. Ringreiten ist alles in Nordfriesland. Alles, was zwischen 2 und 72 ist und sich irgendwie auf dem Gaul halten kann, ist dabei. Die meisten leihen sich für den Tag ein Pferd aus. Da der eigentliche Prozess schwer zu erklären ist, hier ein Bewegtbild über den Ablauf. Das Video zeigt meinen Mann an seinem Junggesellinnenabschied. In Zivil trägt er keine falschen Brüste, Frauenkleider, blonde Perücken oder rosa Cowboyhüte.

Beim Ringreiten ist größtes Geschick gefragt. Es gilt hoch zu Ross mit einer Lanze einen kleinen Metallring aufzuspießen, der zwischen zwei Pfählen an einer Schnur hängt. Als wäre das noch nicht schwierig genug, wird der Ring im Laufe des Wettbewerbs immer kleiner. Dabei wird auf Schapptüch großen Wert gelegt. Wie bei der Feuerwehr oder der Gilde haben die Ringreiter auch eine Uniform. Und ja, das können auch mal ausrangierte Polizeijacken von 2005 sein. Hauptsache einheitlich. Am Ende schwanken dann alle zu Santianos „Hoch im Norden weht ein rauer Wind“ und klatschen mehr oder weniger im Takt zur Ehrengalopprunde der Ringreiter.

Ich bin grad so in Plauderlaune, dass ich zum Ringreiten mal einen Extrabeitrag bringe. Das würde hier den Rahmen sprengen, wenn ich auf die Cognac-chen in der „Halbzeit“, die inoffizielle Sitzordnung im Lokal und die fetzige Flippers-Platzmusik eingehen würde. Also, stay tuned.

Klootstockspringen

Klootstockspringen erinnert ein wenig an Stabhochsprung. Das ganze ist natürlich wieder historisch gewachsen. Damals benutzten die ‚Maschenbuurn‘ einen sogenannten Klootstock, den sie in die Gräben, Grüppen und Wettern stießen, um sich dann mit Schwung über die Gräben zwischen den Feldern zu hechten.

Rummelpottlaufen

An Silvester ziehen die Kinder und Erwachsenen geschminkt und bunt verkleidet durch die Straßen und singen das Lied “Fru mook de dör op, de Rummelpott will rin, hau de Katt den Schwanz aff, hau em nich to lang aff, lot’n lütten Stummel stohn denn wie wüllt noch wieder gohn.” Sie klingeln an den Häusern, um dort um etwas Süßes zu bitten (ähnlich wie an Halloween). Früher gab es häufig Pförtchen. Generell gilt an der Tür: Alles, was über 1,50m ist, kriegt Schnaps. Wenn’s gut läuft: Fieser Friese. Wenn’s schlecht läuft: Irgendwas Angebrochenes von 1997 ausm Keller – oder ganz übel: Etwas ohne Etikett. Bei Letzterem würde ich mich schon mal abmelden für den Rest des Jahres. Hah!

Ich hab jetzt versucht, die Traditionen, die Nordfriesland ausmachen, der Jahreszeit angepasst runter zuschreiben. Für das „Weltkulturerbe Arlewatt“, das „Bargumer Bettenrennen“ oder „Dans op de Deel“ in Stadum und andere Festlichkeiten nehme ich mir nochmal gesondert Zeit. Vielleicht ja sogar als Partyguide. Hah!

Was ist euer nordfriesisches Lieblingsfest?

Festliche Grüße,
Eure Deichdeern

Teil 2

5 comments Add yours
  1. Mein Liebeslingsfest in NF ist eindeutig die Scheunenfete der Landjugend Pellworm (alle 2 Jahre stattfindend). Seit 15 Jahren muss ich da alle 2 Jahre hin, da komme was wolle! Diese Fete kann man nicht beschreiben, das muss man erlebt haben 😍🥂

  2. Ringreiten in Westre und ok..auch in Ladelund! Konkurrenzringreiten,
    8Vereine im Wettkampf…ist mein Allerliebstes! Meistens habe ich Geburtstag 🎂 und irgendwie ist es immer ein tolles Fest!

  3. Schön 🙂 Bei Deinem Beitrag zur Sprache hatte ich ja schon die Ähnlichkeit mit der nördlichen Ostseeküste – also Angeln – festgestellt. Vielleicht ist das bei den Veranstaltungen ja auch so? Von den kulturellen Highlights zwischen Flensburg und Kappeln ist „Verspielen“ meine Lieblingsveranstaltung. Also quasi norddeutsches Bingo, bloß besser, weil der Gewinner sich mit einem lauten „Pott“ meldet – und im besten Fall eine meterlange Salami gewinnt.

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