Gans oder garnicht: Mein Entengate in diesem Jahr

Wenn ich mich auf eins verlassen kann, dann dass es Weihnachten immer eine Diskussion ums Essen gibt. Dieses Jahr sogar so extrem, dass ich zwischenzeitlich verkündet habe, den „Entenexpress“ von Norditeran, ein tolles Restaurant hier in der Nähe, zu rufen.

Gans oder garnicht

Doch warum kam es überhaupt so weit? Ich muss kurz ausholen. Mein Mann ist mit Gans zu Weihnachten aufgewachsen. Und an Silvester. Und überhaupt. Dass Gänse und ich – oder besser gesagt generell alles, was flattert – nicht so das beste Verhältnis zueinander haben, liegt vermutlich in meiner Kindheit. Als ich klein war, habe ich mich schon sehr vor Hühnern geekelt. Ihre Füße erinnerten mich immer an Maden. Sorry für so viel Bildlichkeit an dieser Stelle. Als ich dann mit fünf Jahren den Wunsch geäußert habe, dass ich gern ein Skateboard hätte, sagte mein Vater zu mir: „Klar, kannst du ein Skateboard haben. Dafür musst aber Hühner greifen können.“ Die Gagigkeit liegt im Detail: Wir hatten keine Hühner zuhause. Was wir aber hatten, waren Schwäne, Gänse und Enten, die gern aus den schietigen Hofpfützen schlabberten. Bah. (Anmerkung: Unser Haus liegt an einem Fluß. Die Tiere waren wild und haben uns nur täglich „besucht“.)

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Mit meinem Umzug nach Nordfriesland musste ich mich also plötzlich mit „Draußen-Geflügel“ auf dem Teller auseinander setzen, das ich schon in der Kindheit nicht so geil fand. Nicht falsch verstehen, ich esse gern Geflügel – aber gern aus einem Stall, in dem ich weiß, dass alle Hygienevorschriften eingehalten wurden. Ob bio oder konventionell ist mir dabei vollkommen wumpe. Es soll nur bitte mit einem Dach und ohne Schmuddel-Schlabber-Pfützen aufgewachsen sein.

Stillschweigend habe ich trotzdem brav meinen Teller gegessen und geschwiegen. Bis heute. Meine Eltern kommen an Heiligabend zu uns. Geplant war ein Braten – dann ein Anruf meines Mannes auf meiner Dienstreise: „Überraschung, wir bekommen eine Ente zu Weihnachten. Meine Mutter war grad da.“ Ich dachte mir nur, „klasse, dann hat der tote Hahn im Kühlfach endlich Gesellschaft.“ Nun sitze ich da also mit dem toten Tier, dass meine Schwiegermutter liebevoll gemästet , geschlachtet und hergerichtet hat. Mein Gewissen sagt mir, dass ich dankbar sein soll. Mein Verstand sagt mir allerdings, wenn ich jetzt nicht ablehne, bekomme ich die nächsten Jahre immer eine Ente. Wie habe ich also reagiert? Als selbstbestimmte Frau habe ich natürlich die Ente angenommen und geschwiegen. Klasse, Lasse.

Die Wendung

Dann habe ich meine Mutter angerufen und ihr gesagt, dass es Ente gibt an Weihnachten und es passierte das, womit ich nie gerechnet hatte. Meine Mutter wörtlich: „Ente – oh man, da muss ich immer an die Tiere denken, die früher bei uns aus den Pfützen geschlabbert haben.“ Danke Mama. Wir einigten uns auf Rouladen. Und was ist mit der Ente? Die bereite ich vor für die Tage, an denen ich auf Geschäftsreise bin.

Bis nächstes Jahr. Quack.

Nun interessiert mich aber, was es bei euch auf dem Teller gibt an Weihnachten. Habt ihr auch eine ähnliche Story?

Frohes Fest, eure Deichdeern.

5 comments Add yours
  1. Ich bin definitiv carnivore. Geflügel , Schwein Lamm, Rind… Aber auch Fisch und Krabben. Als Kind auf dem Land aufgewachsen habe ich auch bei einer Schweineschlachtung mal zugesehen, gebe aber zu das ich bei dem was auf meinem Teller landet selten an das lebende Tier versuche zu denken. in letzter Zeit versuche ich vermehrt darauf zu achten woher die Tiere kommen und dass sie artgerecht gehalten wurden, egal ob mit Bio Futter oder konventionellen Futter aufgezogen.
    Letztes Jahr Weihnachten waren der Bruder und die Schwester meines Freundes bei uns und ich habe beim Metzger eine fertige Gans bestellt die wir nur noch in den Ofen schieben mussten um sie wieder an zu wärmen. Bei uns zu Hause gab es meist traditionell Kartoffelsalat und Würstchen oder Schnitzel da es ja nach der Bescherung genug zu futtern gab an Süßigkeiten.

  2. Ganz easy, morgen gibt es2 Angusrind-Rumpsteaks vom Hofladen, (super, dass ich den jetzt fast vor der Haustür in Galmsbüll habe). Flatterkram mach ich nur noch Hähnchen, das macht sich alleine über der Bierdose, alles andere ist mir zu aufwändig mit dem ständigen begießen.

    Und heute ist es noch einfacher…..wir sind bei den Nachbarn eingeladen!

  3. Hallo Julia,
    ich hab mich 1-2 mal an einer Ente oder Ganz versucht. Ist mir noch nie so richtig gelungen. Ich weiß nicht, ob es an mir oder am Tier lag. Aber damit versiegte dann auch die Nachfrage aus der Familie. Deswegen gibt schon seit ein paar Jahren Braten, Tafelspitz oder Rouladen. Immer vom besten Rindfleisch vom Hof meiner Freundin hier aus dem Dorf. Gelingt immer, kommt immer gut an und das liegt ganz bestimmt immer am Tier und und mir….;-)
    Frohe Weihnachten!

  4. Bei uns gibt es Wild aus unsere Eigenjagd und da ich keinen Schlachttermin für unsere Gänse bekommen habe (war durch Christines Jubiläum verhindert) erfreuen sich jetzt unsere Gänse mit uns ins Neue Jahr 2019 zu kommen. Wassergeflügel schlachte ich nicht selber, da man mit Heißwachs die Federkiele nur gut raus bekommt. Das ist mir zu viel Aufwand. Aber jetzt nochmal zu den Schlabberpfützen, die brauchen die um nur das beste wie Würmer aus der Erde rauszuwaschen, wie die Goldschürfer. Deshalb ist auch immer das Wasser so schmutzig und schlammig. Trinken tun sie das Schmutzwasser nur, wenn nichts anderes zur Verfügung steht. Aber da ihr an einem Gewässer gewohnt habt, werden sie da ihre Wasservorräte aufgefrischt haben. Vielleicht siehst du jetzt die Ente im Gefrierfach mit etwas anderen Augen. Wünsche dir fröhliche Weihnachten und alles liebe und besondere zu deinem aufregenden Jahr 2019.

  5. Keine Gans und keinen Braten, am 24.12 gab es Wiener mit Kartosa. 1. Weihnachtsft. Karpfen Blau, 2. WF. Auf Wunsch meines Sohnes Milchreis. Fertig

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