Auf Fritten-Fährte: Hanno und Ella entdecken die Kartoffel

Ein Vorwort von Deichdeern Julia zum neuen, monatlichen Kindergeschichtenformat

Tjorven Boderius unterstützt ab diesem Monat unser Redaktionsteam. Die Kieler Agrarwissenschaftsstudentin besucht dazu für uns jeden Monat tolle Bauernhöfe und entwickelt anhand dieser Begegnungen die Kindergeschichte. Die Kinder Hanno und Ella sowie ihre Eltern sind Kunstfiguren, die Bauern und die Beschreibungen des Hofes echt. So versuchen wir die Brücke zwischen der Geschichte und dem Realen zu schlagen. Wenn euch beim Vorlesen Gedanken oder Fragen zum Produkt, zum Hof, zum Anbau oder ähnliches kommen, freuen wir uns riesig, wenn ihr / oder eure Kinder uns diese zukommen lassen. Die Landwirt*innen sind gern bereit diese zu beantworten. Gern auch sogar virtuell in Form einer Videobotschaft oder eines digitalen Hofrundganges. Jetzt wollen wir euch aber nicht weiter auf die Folter spannen. Los geht’s. Tjorvens Kindergeschichtendebüt inklusive ihrer eignen Illustrationen auf deichdeern.com.

Auf Fritten-Fährte: Hanno und Ella entdecken die Kartoffel

„Ich WILL aber Pommes!“, quengelt die vierjährige Ella und zerrt am Hosenbein ihrer Mama, während diese in der Küche im Zickzack auf und abläuft und sie mitschleift. Ihr sieben Jahre alter Bruder Hanno, steht in der Tür und lacht. Das sieht witzig aus, wie Ella versucht sich schwer zu machen, aber Mama einfach weiter durch die Küche läuft, denkt er. Aus dem Waschbecken holt Mama die abgeputzten Kartoffeln, füllt sie in eine große Schüssel und stellt sie auf den Küchentisch. Dann wischt sie sich ihre Hände in ihrer Bauchschürze trocken und dreht sich zu Hanno.

„Kommst du und hilfst mir?“, fragt sie und reicht ihm bevor er protestieren kann ein Holzbrett und einen kleinen Schäler. Als er sich auf die Küchenbank setzt und anfängt die Kartoffeln zu schälen, lässt Ella Mamas Hosenbein los und fängt an zu schluchzen. Da bückt sich Mama zu ihr herunter und streicht ihr eine Locke von der Stirn. „Mein Liebling, beim nächsten Mal, ja?“, sagt sie und Ella kullern Tränen über ihre vom Weinen und Schreien geröteten Wangen.                                                           

„NEIN! Ich WILL jetzt Pommes!“, brüllt Ella. Da hebt Mama den tobenden Trotzkopf vom Boden auf und setzt sich mit ihr zu Hanno an den Tisch. Hannos Eltern sagen, dass das ganz normal ist, wenn seine kleine Schwester manchmal so sauer wird, weil jedes Kind mal trotzig ist. Meistens beruhigt sich Ella auch schnell wieder, aber heute ist das anders. Auch als die dampfenden Salzkartoffeln nach Omas Rezept auf dem Esstisch stehen, ist sie immer noch beleidigt. Statt zu essen hat sie die Arme vor der Brust verschränkt und wiederholt bockig: „Ich WILL aber Pommes!“

„Nun hab dich nicht so, ob du nun Pommes isst, oder Salzkartoffeln. Am Ende ist das alles das gleiche.“, sagt Papa, der ihr gegenübersitzt. „Das ist nicht wahr Papa.“, flüstert Ella. Auch Hanno guckt ihn verwirrt an. Papa flunkert doch, das kann er unmöglich ernst meinen. Salzkartoffeln und Pommes haben nichts gemeinsam, das weiß doch jedes Kind!, denkt Hanno. Als Papa sich zu Ella rüber beugt flüstert er ihr verschwörerisch zu: „Soll ich’s dir beweisen?“ Mit ihrem Ärmel wischt sich Ella die Tränen und die Schniefnase ab, dann nickt sie langsam. Papa strahlt Ella an und stupst ihr mit dem Zeigefinger kurz auf die Nase. „Fein, dann machen wir vier morgen einen kleinen Ausflug.“, sagt er und auf einmal muss auch Ella lächeln.

Heute wird das Pommes-Geheimnis gelüftet

Am nächsten Morgen wird Hanno früher wach als sonst, er ist aufgeregt, weil Papa ihnen gestern versprochen hat das „Pommes-Geheimnis“ zu lüften. Flink kriecht er aus dem Bett und zieht sich um. Dann läuft er rüber, um seine Langschläfer-Schwester zu wecken. Aber auch Ella ist schon wach und reibt sich gähnend den letzten Schlafsand aus den Augen. Hanno wundert sich, denn normalerweise steht Ella gar nicht gerne auf, doch heute strahlt sie ihn breit an. Als sie fertig angezogen sind, sausen sie zu Mama und Papa und stehen vor ihrem Bett.                                                                                                                

„Papa! Du musst aufwachen!“, sagt Ella und versucht an Papas Arm zu rütteln. Mama und Papa werden nur langsam wach und trödeln. Bis die beiden aufgestanden und umgezogen sind, vergeht eine halbe Ewigkeit. Hanno und Ella werden immer aufgeregter. Ella wippt auf ihrem Stuhl beim Frühstück unruhig hin und her. Dabei gluckert und kribbelt ihr Bauch, weil sie es kaum erwarten kann, endlich loszufahren. Zum Frühstück stärken sich Hanno und Ella kräftig, damit sie nicht hungrig ins Pommes-Abenteuer starten. Nach dem Zähneputzen sitzen die vier dann endlich zusammen im Auto.                     

„Wo fahren wir hin?“, fragt Ella, die vor Neugier fast platzt. „Das ist eine Überraschung“, sagt Papa bloß. Also gucken Ella und Hanno aus dem Autofenster. Sie fahren an vielen Wiesen und bunten Feldern vorbei. Auf einigen Wiesen stehen Pferde, Kühe oder Schafe. Dann biegt Papa auf eine Auffahrt ein. Hier steht ein großes Bauernhaus mit roten Ziegelsteinen und einer noch viel größeren Halle daneben. „Tadaa!“, verkündet Papa und macht das Auto aus. Ella drückt sich ihre Nase an der Autoscheibe platt. Aber Pommes sind weit und breit nicht in Sicht.     

„Vielleicht hat Papa doch nur geflunkert“, murmelt Hanno, als er mit seiner Schwester neben dem Auto steht. Aber Papa läuft mit Mama einfach voraus und winkt die beiden hinter sich her. „Na kommt ihr zwei jetzt? Dann zeige ich euch wo die Pommes herkommen!“, ruft er. Ella und Hanno sprinten los. Sie veranstalten oft ein kleines Wettrennen, wie dieses. Als sie Mama und Papa eingeholt haben, stehen die beiden zwischen den Gemüseregalen des Hofladens. Hier gibt es Kohl, Möhren, Zwiebeln, Rote Beete und ein großes Regal mit Kartoffeln. Papa redet mit einem jungen dunkelhaarigen Mann.                

Informationen aus erster Hand: Hanno und Ella besuchen Gemüsebauer Hauke Hinrichs                             

„Das ist Hauke Hinrichs, seiner Familie gehört dieser Gemüsehof“, erklärt Papa Hanno und Ella, die sich beide hinter seinen Beinen verstecken. Papa löst Ellas Klammergriff um sein Hosenbein und fragt: „Ella, verrätst du Hauke, was du genau suchst? Ich bin sicher, dass er dir helfen kann.“ – „Pomm-ä-s“, flüstert Ella, die nun schüchtern vor Hauke steht. – „Würdest du das bitte noch einmal lauter wiederholen?“, fragt Hauke und kniet sich hin, um sie besser zu verstehen. Ella holt einmal tief Luft, nimmt ihren ganzen Mut zusammen und stemmt ihre Hände in die Hüften: „Ich suche die P-O-M-M-E-S.“, sagt sie entschlossen.

„Das ist gar nicht so leicht, liebe Ella.“, sagt Hauke und lächelt. Er hält ihr eine runde Kartoffel aus der Papiertüte in seinem Arm hin und wartet, bis sie zugreift. „Pommes werden aus Kartoffeln gemacht, solche wie du sie auf deiner Hand hast. Aber es gibt viele verschiedene Kartoffeln. Diese hier ist eine sogenannte Speisekartoffel. Es gibt aber auch noch Chips- und Pommeskartoffeln, die größer sind. Aus Speisekartoffeln, die viel Stärke enthalten, kannst du aber auch Pommes machen, dafür brauchst du nicht unbedingt eine Pommeskartoffel.“

„Was ist Stärke?“, fragt Hanno neugierig und nimmt eine der Kartoffeln in die Hand. Die kleine Knolle auf seiner Hand ist eine dicke goldgelbe Kugel. „Stärke ist eine besondere Form von Zucker. Die Kartoffeln haben davon besonders viel, deshalb können Menschen Kartoffeln auch nicht roh essen.“, erklärt Hauke und nimmt auch eine Kartoffel in die Hand. Aus seiner Arbeitshose holt er ein Klapptaschenmesser und schneidet die Knolle an. „Seht ihr diesen milchigen Saft, der aus der Kartoffel quillt, dass ist Stärke. Wollt ihr sehen wo diese Kartoffel herkommt?“

Ella nickt so wild, dass ihre blonden Locken durch die Luft wirbeln und in alle Himmelsrichtungen abstehen. Die vier folgen Hauke aus dem Laden. Papa hält Ella an der Hand, und Hanno läuft dicht neben Mama her, denn auf dem Hofplatz fahren große Trecker mit schweren Anhängern, an ihnen vorbei. „Diese Anhänger sind bis obenhin voll mit Kartoffeln“, sagt Hauke, „wir sind gerade mitten in der Ernte. Auf dem Feld werden sie aus der Erde geholt und direkt aufgeladen. Dann bringen die Trecker die Kartoffelanhänger hier auf den Hof und werden abgeladen, die Kartoffeln werden dann kühl und trocken in der Halle hinter dem Hofladen gelagert und wir können sie das ganze Jahr über verkaufen.“ – „Cool, Treckerfahren!“, ruft Hanno.

Mehr als nur Treckerfahren

Da dreht Hauke sich zu ihm um: „Da gehört noch viel mehr dazu, als Treckerfahren. Bis zur Ernte im Sommer ist ein langer Weg.“ Als die fünf am Feldrand angekommen, kniet Hauke sich hin. „Hier seht ihr eine Frühkartoffelpflanze, diese Pflanze ernten wir mit ihren Blättern, deshalb holen wir sie schon Anfang Juli aus der Erde. Weil das für Kartoffeln besonders früh ist, heißen diese Kartoffeln Frühkartoffeln.“
„Aber da sind gar keine Kartoffeln!“, protestiert Ella, die die goldgelbe Knolle aus dem Hofladen immer noch wie einen Schatz in ihrer Hand hält. In diesem Moment hebt Hauke mit einer großen Forke die Erde unter der Pflanze an.

„Da unten sind welche, schau doch Ella!“, ruft Hanno und zeigt auf die goldgelben Klumpen, die aus der Erde blitzen. „Kartoffeln wachsen unter der Erde, deshalb werden sie auch Erdapfel genannt“, Hauke gräbt eine kleine schrumpelige Knolle aus, „Das ist die Mutterknolle, die heißt so, weil sie zuerst da ist und die kleinen Knollen, ihre Tochterknollen, aus ihr herauswachsen. Eine Mama-Knolle hat zwischen 8 und 20 Kinder-Knollen. Und wenn du eine von diesen Kartoffeln nicht isst, sondern in der Erde vergräbst, entsteht eine neue Mutter-Tochter-Kartoffelknollenfamilie.“

„Aber dann ist das doch einfach: Kartoffel in die Erde, warten und Treckerfahren und in den Hofladen.“, sagt Hanno plötzlich. Was soll daran schon so schwierig sein?, denkt er. „Ganz so einfach ist das nicht. Pass auf, ich erzähle euch mal wie genau eine Kartoffelpflanze groß und stark wird.“, beginnt Hauke.

Über Mutter- und Tochterknollen

„Sobald es draußen vier Grad warm ist, legen wir im April die Mutterknollen in die Erde. Die Mutterknollen kaufen wir von einem anderen Bauernhof, weil diese Sorten geschützt sind und wir nicht einfach unsere Tochterknollen einpflanzen dürfen. Sonst würden wir mächtig Ärger bekommen. Wir legen die Kartoffeln nicht per Hand, sondern mit Hilfe einer Maschine, die wir hinter dem Trecker herziehen. Es ist besonders wichtig, dass es im Boden vier Grad warm ist, weil die Kartoffeln erst dann anfangen zu keimen. Wenn es zu kalt ist, dann zerfällt die Stärke der Kartoffel in kleinere Zuckerbestandteile und die Kartoffel wird süß. Dann würde sie nicht mehr wie eine Speisekartoffel schmecken. Wenn alles gut geht, läuft die Kartoffelpflanze ab Anfang Mai, also im nächsten Monat, auf. Der Kartoffel-Auflauf ist dabei kein Gericht, das euch eure Mama kocht, sondern der Moment, ab dem der Keim der Kartoffel aus der Erde wächst. Die kleinen grünen Triebe werden immer größer und bekommen dann immer mehr Blätter. In dieser Zeit überprüfe ich wie viele Tochterknollen die Mutterknollen bekommen werden. Am Anfang sind sie nur so groß, wie kleine Kügelchen, werden dann langsam so groß wie Murmeln und immer größer. Damit sie zu großen Kartoffeln wachsen, brauchen sie gute Nahrung.“

„Kartoffel essen doch gar nichts!“, platzt es aus Hanno heraus. „Naja, sie verputzen keine Wurstbrote, aber einen Speiseplan haben sie trotzdem. Eine Kartoffelpflanze braucht zum Wachsen viele Nährstoffe und wenn einer dieser Nährstoffe fehlt, dann wird sie nicht so groß und stark, wie sie könnte. Die Kartoffelknollen bleiben dann im schlimmsten Fall ganz klein. Was für euch Zucker ist, ist für die Kartoffel der sogenannte Stickstoff. Bekommt eine Kartoffelpflanze sehr viel davon, dann wird sie zwar sehr schnell groß, aber das ist wie zu viel Zucker nicht gesund. Damit die Pflanzen genug Nährstoffe bekommen, gebe ich Ihnen ihre Leibspeisenmischung direkt beim Legen mit in den Boden. Das ist wichtig, weil Kartoffelpflanzen nur kurze Wurzeln haben und tiefliegende Nahrung nicht erreichen können. Und wegen ihrer kurzen Wurzeln, hat sie noch einen anderen Spitznamen: Wurzelzwerg.“ Auf einmal fängt Ella an zu kichern, dass eine Pflanze so viele ulkige Namen haben kann, findet sie tierisch witzig. „Und wie geht es weiter Hauke? Die Pflanze wächst aus dem Boden und DANN??…“, fragt Hanno neugierig.

„Nachdem ich nachgeguckt habe wie viele Tochterknollen meine Mutterknollen haben, bekommen die Kartoffel-Großfamilien am meisten Stickstoff. Denn sie müssen ihre Nährstoffe unter vielen Kartoffeln aufteilen. Ab Mitte Juni werden die Knollen im Boden dann immer dicker und über dem Boden fängt die Kartoffelpflanze an zu blühen. Nach der Blüte wachsen an den Kartoffelstängeln grüne Beeren-Früchte, die sind aber giftig. Das Besondere an Frühkartoffeln ist, dass ihre Schale leicht abpellt, weil sie noch so weich ist. Ab Anfang Juni buddle ich jeden Tag zwischen den Kartoffeln rum und überprüfe die Größe der Knollen. Um den richtigen Zeitpunkt zu finden, an dem die Kartoffeln aus der Erde geholt werden, muss ich den Stärkegehalt überprüfen. Dafür grabe ich Kartoffeln aus und putze sie sehr gründlich ab. Dann wiege ich sie und packe sie in einen Eimer voll Wasser. Im Wasser geben die Kartoffeln Stärke ab und werden leichter. Also wiege ich sie nach einer Zeit noch einmal. Mit einer speziellen Tabelle ermittle ich den Stärkegehalt. Je mehr Sonne eine Kartoffelpflanze bekommen hat, umso mehr Stärke enthält sie. Mit den Sonnenstrahlen tankt die Pflanze ihren Stärkespeicher nämlich auf, der ist so eine Art Naschivorrat für schlechte Zeiten, oder weniger sonnige Tage.“

„Der Kartoffel-Friseur“

„Das klingt aber doch etwas kompliziert.“, meint Hanno und starrt auf die grüne Pflanze neben Hauke. „Mit etwas Übung könntest du das sicher auch.“, versichert Hauke ihm, „wenn unsere Kartoffeln 14 oder 15 % Stärke enthalten, dann sind sie gut.“ – „Und dann kommen die Trecker und holen sie ab und du verkaufst sie?“, fragt Hanno. „Nicht ganz Hanno, wenn es Frühkartoffeln sind, dann ja. Aber alle anderen bekommen dann erst einmal eine Art Kartoffel-Friseur-Termin.“ Hanno schaut ihn fragend an.

„Mit einer Maschine wird das Kartoffelkraut, also die grünen Stängel und ihre Blätter, abgeschnitten. Das erleichtert die Ernte. Aber die nackte Pflanze muss sich schnell umgewöhnen und weil die Blätter auf dem ganzen Ackerland verteilt werden, kann eine kranke Pflanze alle anderen anstecken. Früher wurden dafür chemische Mittel benutzt, aber die sind fast alle nicht mehr erlaubt.“ – „Aber wenn die Kartoffeln nackig sind, dann werden sie doch schnell rausgeholt. Wie können die da krank werden?“, fragt Hanno. -„Nein, die Kartoffeln bleiben noch einen ganzen Monat in der Erde. In dieser Zeit wird nämlich ihre Schale hart. Geerntet werden die normalen Kartoffeln, dann vor allem von August bis September.“ – „Und dann kommen sie in die Halle, du verkaufst sie und sie werden Pommes.“, sagt Hanno.

„Genau sie kommen in die Halle.“, sagt Hauke, „Aber …“ – „Och nö, sind die dann etwa immer noch nicht fertig!?“, fragt Hanno und stöhnt. Hauke lacht. „Kommt, ich zeig euch was dann passiert!“ Mama nimmt Ella auf den Arm, die mittlerweile ganz müde vom Kartoffel-Geschichte-Hören ist. Ihre Kartoffel hat Ella aber immer noch fest in der Hand. Die vier folgen Hauke in die Halle hinter dem Hofladen. Hier gibt es schwere weiße Türen. „Das ist unser Kartoffellager, hier stehen insgesamt 130 Kisten. Jede Kiste wiegt 700 kg und damit ungefähr so viel wie eine ausgewachsene Kuh. Frisch geerntete Kartoffeln müssen gut belüftet werden, damit sie trocknen und ihre Schale, die bei der Ernte manchmal verletzt wird, wieder verheilt. Durch solche Wundstellen können Bakterien in die Kartoffel eindringen und sie krankmachen. Wenn das passiert, wird sie faulig und ist nicht mehr essbar. Im Lager muss ich sehr stark auf die Temperatur achten. Hier brauchen die Kartoffeln wieder um die vier Grad. Es darf aber auf keinen Fall wärmer sein, damit sie nicht wieder anfangen zu keimen und Mutterknollen werden. Und zu kalt darf es auch nicht sein, denn …“

Süsse Knollen

„Dann wird die Kartoffel süß.“, sagt Hanno. „Richtig, da hast du gut aufgepasst.“, lobt Hauke ihn und Hanno grinst über beide Wangen. „Damit es nicht zu kalt wird, bekommen die Kartoffeln manchmal einen Heizer in die Halle gestellt. Wenn es im Sommer zu warm wird, dann ziehen die Kartoffeln ins Kühlhaus um, das ist wie ein großer Kühlschrank.“ Papa hebt Hanno hoch, damit er in die erste Holzkiste schauen kann. In der Kiste liegen lange Knollen, die eine rote Schale haben und ganz anders aussehen, als die goldgelben Kugeln. „Was sind das für Kartoffeln?“, fragt er. „Das sind Süßkartoffeln.“, sagt Hauke und nimmt eine der Knollen in die Hand. „Aber süße Kartoffeln sind doch schlecht, hast du gesagt …“, Hanno ist verwirrt.

„Eigentlich sind das hier gar keine Kartoffeln. Die Süßkartoffel ist ganz entfernt mit der Kartoffel, die Ella in der Hand hat, verwandt. Wir haben hier nicht viele Süßkartoffeln nur etwa eine Kiste voll. Bei Süßkartoffeln wird keine Mutterknolle vergraben, sondern kleine grüne Pflanzen mit der Hand gepflanzt. Süßkartoffeln mögen es besonders warm und sonnig. Ihr Anbau bedeutet für uns noch mehr Aufwand. Denn in der ersten Zeit muss die Erde, in der sie wachsen, sogar mit einem Vlies zugedeckt werden. Außerdem werden die Früchte – also die Wurzeln – der Süßkartoffel, nicht so dick und rund, wie die der normalen Kartoffel.“ – „Wollt ihr zwei euch jetzt noch Kartoffeln im Hofladen aussuchen?“, fragt Papa und flüstert, „Dann können wir zu Hause noch Pommes zaubern.“

Beim Wort „Pommes“ schlägt Ella ihre Augen auf und ruft: „AU JA!“ Im Hofladen gibt es alle fünf Kartoffelsorten, die Haukes Familie anbaut. Da fällt das Entscheiden schwer. Ella sitzt in der grünen Schubkarre, die Papa von draußen geholt hat. Die Schubkarre ist hier sozusagen der Einkaufswagen. Es dauert bis sich Hanno und Ella zwischen den roten, pinken, gelben, blauen und gepunkteten Kartoffeln entschieden haben. Eine Kartoffel ist schöner als die andere und am Ende liegt eine bunte Kartoffelmischung in der Schubkarre.

„Danke!“, rufen sie Hauke zu, als sie die Kartoffeln im Kofferraum verstaut haben und ins Auto einsteigen. „Und habe ich zu viel versprochen?“, fragt Papa und schaut in den Rückspiegel. Ella sind mittlerweile die Augen zu gefallen. Mit ihrem kleinen Kartoffel-Schatz in der Hand, schläft sie in ihrem Auto-Sitz. „Noch haben wir keine Pommes gegessen.“, sagt Hanno und zwinkert Papa zu. Er ist immer noch überrascht wie bunt die Kartoffeln waren und auf was Hauke alles aufpassen muss. „Ich fand es sehr spannend, was so ein junger Kerl alles auf die Beine stellen kann.“, meint Mama. „So jung war der doch gar nicht!“, wirft Hanno ein.
„Doch Hanno, Hauke ist Junglandwirt. Er betreibt den Gemüsehof zusammen mit seinem Bruder Sönke und seinen Eltern Peter und Anke. Der Hof auf dem wir waren ist übrigens schon 150 Jahre alt.“, erklärt Papa ihm.

„Du Papa, verkaufen die alle Kartoffeln in dem Laden?“, fragt Hanno, der an das große Lager denkt, das bis obenhin mit Kisten vollgestapelt war. Papa schaut kurz in den Rückspiegel und erklärt: „Sie verkaufen ihr eigenes Gemüse nur in ihren Hofläden. Neben ihrem Laden in Dithmarschen haben sie noch einen zweiten Laden in Elmshorn, das ist bei Hamburg.

Zu Hause angekommen, tragen sie die Kartoffeltüten ins Haus. Mama nimmt die schlafende Ella vorsichtig aus ihrem Sitz und setzt sich mit ihr an den Küchentisch. Während Papa und Hanno die bunten Kartoffeln waschen und bürsten, mischt Mama Pflanzenöl mit einer Prise Salz und Pfeffer. „Was machst du da?“, fragt Ella, als sie langsam wieder wach wird.

„Jetzt machen wir dir deine Pommes.“, sagt Mama und gibt ihr einen Kuss auf die Stirn. Nachdem Hanno die Kartoffeln schält, schneidet Papa die Kartoffeln in feine Streifen. Die Streifen packt Hanno dann auf ein Backblech und Mama reicht Ella einen Pinsel. Dann bestreicht Ella alle Kartoffeln mit dem Öl, das ist fast ein bisschen wie malen, denkt sie. Als alles fertig ist, schiebt Mama das Blech in den Ofen und Ella schaut den Pommes beim Braten zu. „Schau doch Hanno! Papa hatte recht! Da haben wir unsere Pommes!“, sagt sie und strahlt ihren Papa an.

Ende. –

Hier gibt es Infos zum Hof Hinrichs und zu ihren Hofläden

Hof Hinrichs
Schmedeswurth 10
25724 Schmedeswurth
Mo – Sa, 8 – 18 Uhr
Sonntag, 9 – 18 Uhr

Und ganz neu in Elmshorn direkt an der Wittenberger Straße:
Glasenberg 46
25338 Kölln-Reisiek

Hier gelangt ihr zur Homepage: https://hof-hinrichs.de/
Hauke und seine Familie haben sogar einen Online-Shop. Den solltet ihr euch auf jeden Fall anschauen.

Foto: Familie Hinrichs

Ausmalvorlage

Die Ausmalvorlage könnt ihr hier bequem und kostenfrei downloaden. Sollten eure Kinder die Vorlage benutzen, freuen wir uns ganz doll über eine Rückmeldung. So können wir sicherstellen, dass wir das in den kommenden Monaten beibehalten für die nächsten Themenschwerpunkte.

Pommesrezept

Natürlich gibt es das Pommesrezept auch noch zum Nachmachen mit euren Kids. Dieses könnt ihr hier downloaden.

One comment Add yours

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.