„Ist das was ich heute mache, morgen überhaupt noch erlaubt?“ Ein Gespräch mit Ackerbauer Phillip Krainbring

Moin,

dieses mal haben wir mit Phillip Krainbring aus der Nähe von Magdeburg über den Rapsanbau gesprochen und was ihn auf der einen Seite besonders wichtig, aber auch immer schwieriger macht.

Moin Phillip, erzähl uns doch einmal wer du bist und was du machst.

Phillip: Moin, ich bin Phillip Krainbring, 35 Jahre alt, verheiratet und hab ein Kind. Seit 2016 bin ich Betriebsleiter auf einem Betrieb in der Nähe von Magdeburg. Ursprünglich komme ich aus Ostholstein.

Warum baust du Raps an?

P: Raps ist wichtig in der Fruchtfolge. Der Raps kommt vor dem Weizen in der Fruchtfolge und durch den Anbau können wir gewisse Unkräuter und Ungräser besser bekämpfen, da wir dann andere Pflanzenschutzmittel verwenden können. Er hat aber auch positive Auswirkungen auf den Boden und die Düngung, deshalb kommt er in einem Abstand von vier bis fünf Jahren immer wieder auf die Felder. In einem zu kleinen Zeitabstand sollte man ihn nicht sähen, da das für die Pflanze nicht gut ist. Raps ist aber auch für die Bienen sehr wichtig, wir arbeiten hier auch mit den örtlichen Imkern zusammen. Auf das was nachher aus dem Raps wird, haben wir Bauern allerdings keinen Einfluss. Wir liefern da nur den Rohstoff.

Was macht den Rapsanbau für dich besonders?

P: Raps gehört zu den Blattfrüchten und hat deshalb eine sehr wichtige Funktion in der Fruchtfolge. Der Anbau entzerrt aber auch Arbeitsspitzen. Denn viele Früchte bzw. Pflanzen werden sonst im September ausgesät und das ist bei Raps anders. Den können wir schon im August ausbringen. Darüber hinaus ist er auch eine beliebte Frucht, was den landschaftlichen Aspekt angeht. Die gelbe Farbe und der Duft sind doch sehr beliebt.

Was sind die Schwierigkeiten beim Anbau?

P: Es werden immer mehr Sachen eingeschränkt. Zum Beispiel die Neonicotinoide. Das ist eine Wirkstoffgruppe. Aus dieser Wirkstoffgruppe gibt es mehrere Insektizide. Einige Wirkstoffe sind mittlerweile komplett Verboten und andere in der Nutzung stark eingeschränkt. Verboten wurde die sogenannte Beize, mit diesen Insektiziden. Erlaubt ist es aber weiterhin das Mittel breit zu spritzen. Beize bedeutet, dass sich das Mittel direkt um das Korn legt und der Vorteil daran ist der Schutz der kleinen Pflanze. Die Pflanze hat beim Wachstum den Wirkstoff aufgenommen und Insekten, die die Pflanzen durch Fraß schädigen wollen, sind dann dadurch bekämpft worden. Der Einsatz des verwendeten Mittels war so relativ gering. Jetzt müssen wir gegen diese Schädlinge spritzen.

Das machen wir natürlich von dem Inhalt der Gelbschalen abhängig. Gelbschalen sind kleine, gelbe Schalen, die im Herbst und/oder Anfang des Frühjahrs auf und an den Feldern abgelegt werden. Die Schalen sind ein wichtiger Kontrollmechanismus für uns, denn in Ihnen sammeln sich die ganzen Insekten, die dem Raps schaden wollen. Danach entscheiden wir wie oft und wie viel Insektizid wir spritzen müssen um einen Ernteausfall zu verhindern.

Die Neonicotinoide sind allerdings auch gefährlich für Bienen. Deshalb versuchen wir, wenn dann abends zu spritzen, heißt nachdem die Bienen ihre Runden auf dem Feld gedreht haben. Wir sind da auch im regen Austausch mit den örtlichen Imkern und sagen denen rechtzeitig vorher Bescheid, dass sie die Bienenstöcke währenddessen verschließen oder woanders hinstellen. 150 Meter um die Bienenstöcke herum spritzen wir gar nicht.

Aber auch die Nutzung von Herbiziden wird immer weiter eingeschränkt und dazu kommt ebenfalls die Trockenheit im Sommer und Herbst. Das erschwert den Anbau und macht ihn auch gleichzeitig kostenintensiver. Durch einige wegfallende Mittel wird der Raps eine wirtschaftlich knappe Sache. Nur leider gibt es für den Raps keine Alternative. In der Fruchtfolge hat er eine tragende Rolle und wenn ich ihn nicht anbaue, spüre ich das deutlich bei allem was danach angebaut wird.

Ackerbauer Phillip Krainbring auf dem Stück Acker, auf dem er 2019 mit Unterstützung von Wildbienenpaten einen Lebensraum zur Förderung der Artenvielfalt geschaffen hat. Fotos (2): Forum Moderne Landwirtschaft

Den Rapsglanzkäfer kennen ja die meisten von uns, weil er sich ja auch gerne mal auf hellen oder leuchtenden Blumen und Kleidungsstücken niederlässt. Wie schadet er nun aber dem Raps?

P: Der Rapsglanzkäfer ist für den Raps vor der Blüte ein Problem. Denn wenn die Knospen schon rausgucken, versucht er sich durch die geschlossene Knospe zum Pollen in der Blüte durch zu wühlen. Damit beschädigt er dann die Blüte und ohne Blüte kann der Raps keine Schote für die Körner ausbilden. Wenn der Raps allerdings schon blüht, kann der Rapsglanzkäfer auch eine Hilfe sein. Er hilft dann die Blüten zu bestäuben.

Glaubst du, dass Raps in der Zukunft noch angebaut werden wird?

P: Das hängt tatsächlich von der Politik ab. Wenn der Raps nicht mehr gewollt ist, dann kann es sein, dass der Anbau von einem auf dem anderen Tag einbricht. Man fragt sich auch oft „Ist das was ich heute mache, morgen überhaupt noch erlaubt?“.

Es gibt jetzt schon Gebiete in Deutschland, wo der Rapsanbau kaum bis gar nicht mehr möglich ist. Aber es gibt auch einige Modellregionen, wo die Landwirte zusammen mit den Wasserverbänden am Wasserschutz arbeiten. Das funktioniert dort auch ganz gut.

Generell wünsche ich mir da aber mehr fachliche Entscheidungen und weniger nach Gesetzestext getroffene. Auch sollten die getroffenen Entscheidungen standortbasiert erfolgen, da es da ja auch sehr starke Unterschiede gibt.

Gibt es noch etwas, dass du unseren Lesern als Rat mitgeben möchtest?

P: Wir erleben sehr oft, dass die Gelbschalen, die auf und an den Rapsfeldern stehen umgekippt oder geklaut werden. Das ist für uns, wie bereits gesagt, ein sehr wichtiges Kontrollinstrument. Wenn wir sehen, dass Schalen die drei Tage zuvor erst aufgestellt wurden, geklaut, umgekippt oder zerstört worden sind, ist man schon etwas verärgert.

Es kann sein, das wir den Raps dann entweder zu stark oder zu schwach spritzen, was natürlich beides nicht toll ist. Das feine Gitter auf den Schalen verhindert auch das Nützlinge wie Fliegen oder Bienen hinein fliegen. Also muss man sich da auch keine Gedanken machen. Wer also eine Gelbschale sieht, kann einfach daran vorbei gehen und weiß, dass der Bauer gerade testet, wie viele Schädlinge seinen Raps befallen würden.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute, Phillip!

Wenn ihr mehr über Phillip und seine Arbeit erfahren möchtet, dann schaut gern auf seinem Instagramprofil oder seinem Blog erklaerbauer.de vorbei. Dort gibt er spannende Einblicke über seinen Alltag.

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