Editorial | Der Meech-Monat

Liebe Leserinnen und Leser,

Viele Menschen haben mit der Milch so ihre Probleme. Ich auch. Ein Logopädisches. Mein hanseatischer Tongschlach (plattdeutsch: Zungenschlag) lässt mich bis heute das Wort Milch als „Meech“ aussprechen. Ich muss mich stark konzentrieren, um das „L“ in der Mitte mitzusprechen. Für mich ist das ok. Ich leb mit diesem Sprachfehler – und meine Umwelt auch. Ab und zu fällt es nochmal auf, wenn ich neue Menschen kennenlerne. Da fallen dann Sätze wie „Witzig, du sprichst wie aus nem Werner-Film.“ Jo, danke. Wat’n Kompliment.

Unser Sohn ist jetzt fünf und das Thema Sprache (und richtige Aussprache) ist hier allgegenwärtig. Jeden Tag korrigiere ich im Kopf seine Grammatik und nicht selten kommt es dann auch vor, dass ich ihm die Sätze korrigiere und oberlehrerhaft hinterher spreche. Das ist anstrengend. Für uns beide. Und das schlimmste ist, dass der Fokus von dem eigentlichen Inhalt des Dialogs verschwindet. Ich wende mich also an Leute, die mir helfen können zu verstehen, warum das mit dem Sprechen besonders ist. Logopäden, Leute, die sich mit Reflexen auskennen, HNO-Arzt, Osteopathin, whatever.

So wie es mir mit der Aussprache geht, so geht es vielen mit dem Genuss des Molkereiproduktes. Es gibt Menschen, die den Genuss von Milch ablehnen. Nun kann ich so reagieren, wie ich es anfangs bei meinem Sohn gemacht habe, ihnen über den Mund fahre und während sie noch nichtmal ausreden lasse, um sie gleich eines besseren zu belehren. Oder ich lasse sie erstmal ausreden. Höre mir ihre Beweggründe an, wie es dazu gekommen ist – ohne zu bewerten. Das ist mehr Arbeit – wie die Logopädie auch – aber der Effekt ist nachhaltiger und es ändert sich was in meinem Kopf und mich stören die kleinen Verhaspeleien garnicht mehr. Jeder ist gut, so wie er ist.

Darauf n Glas Meech, Prost.

Eure Deichdeern

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