Mais Mais Baby!

Neben Weizen und Reis ist Mais eine der wichtigsten Kulturpflanzen weltweit. Auch bei uns wird das Getreide nach Weizen am zweithäufigsten angebaut. Was genau macht die Pflanze so interessant? Droht Deutschland die Vermaisung? Und ist Mais gut oder schlecht fürs Klima? Wir fassen euch die wichtigsten Infos in unseren Maisfakten zusammen.

Ist Mais gleich Mais?

Mais gehört zur Pflanzenfamilie der Süßgräser und ist eine der wichtigsten Nutzpflanzen weltweit. In vielen Ländern ist er sogar Hauptnahrungsmittel. Und das aus gutem Grund, denn Maiskörner sind sehr nahrhaft und enthalten wichtige Vitamine und Mineralstoffe. Anders als andere Getreidearten ist Mais glutenfrei. Was nicht jedem bekannt sein dürfte: Es gibt eine große Vielfalt an Maisarten und -sorten. Man kann sie nach ihrem jeweiligen Korntyp einteilen. Körnermais etwa wird gemahlen und zu Teigen und Brot verarbeitet, Weichmais dient als Grundlage für Tortillas. Maisstärke zum Kochen und Backen wiederum wird aus Hartmais hergestellt. Zuckermais legen wir zum Beispiel als Kolben auf den Grill und Puffmais kennen wir in Form von Popcorn. Ganz schön vielseitig!
Tatsächlich ist Mais eine der ältesten Kulturpflanzen überhaupt und stammt als einzige Getreideart aus Amerika. Nach Deutschland kam er im 16. und 17. Jahrhundert. Zunächst wuchs er aber nur in den wärmeren Gebieten. Erst in den 1970er Jahren kam der Durchbruch mit kälteresistenten Maissorten. Seitdem wird Mais deutschlandweit angebaut – allerdings hauptsächlich für Futterzwecke.

Ein Maisschlag kurz vor der Ernte.

Was ist der Unterschied zwischen Körner- und Silomais?

Der Mais, den wir auf deutschen Feldern wachsen sehen, wird also zum größten Teil zu Viehfutter. Ein kleinerer Anteil wird zur Erzeugung von Biogas genutzt, für die Industrie verwertet oder dient unserer Ernährung. Bei Gemüsemais und Popcornmais handelt es sich um spezielle Maissorten, die viel Wärme benötigen und deshalb auch heute noch in nur wenigen Regionen Deutschlands angebaut werden können.
Aber wie erkennt man überhaupt, um welche Sorte es sich handelt, wenn man vor einem Maisfeld steht? Der Unterschied zwischen Silo- und Körnermais wird für den Laien erst bei der Ernte ersichtlich: Ersterer wird als grüne ganze Pflanze gehäckselt – inklusive Stängel, Blätter und Kolben – und in Silos konserviert (wie Sauerkraut). So entsteht Silage, die entweder als energiereiches Grundfutter für Milchkühe und Fleischrinder genutzt oder in Biogasanlagen vergoren wird. Dabei enstehen Strom und Wärme.

Körnermais wird im Gegnsatz dazu erst gedroschen, wenn die ganze Pflanze abgereift ist. Dabei wird nur das reife Maiskorn geerntet. Der Rest der Pflanze verbleibt als Humuslieferant auf dem Acker. Trockener, brauner Mais auf dem Feld bedeutet dementsprechend nicht, dass der Mais vergessen wurde. Er wird lediglich erst im Spätherbst geerntet. Die Maiskörner dienen als Futter für Schweine und Geflügel und als Lebensmittel für den Menschen. Als Maismehl, Maisgrieß, Cornflakes oder Maisstärke stehen sie im Supermarktregal. Maisstärke wird außerdem als natürlicher Rohstoff für Kunststoffe, Kosmetik und viele weitere Produkte verwendet.


Benötigt Mais viel Pflanzenschutz?

Nein, im Vergleich mit allen anderen wichtigen Ackerbaukulturen weist Mais die geringste Pflanzenschutzintensität auf. Zum einen wird das Saatgut gebeizt, das bedeutet, es wird mit Pflanzenschutzmitteln (gegen Schadinsekten und Pilzerreger) behandelt. Auf diese Weise schützt man Saatkorn, Keimling und zum Teil auch noch die junge Maispflanze. Dazu kommen dannn noch eine oder zwei Behandlungen gegen Unkräuter und Gräser. Diese Pflanzenschutzmaßnahmen reichen in den allermeisten Fällen aus. Bei einem kleinen Anteil der Maisflächen, die besonders vom Maiszünsler (einem Maisschädling) betroffen sind, müssen zusätzlich Insektizide angewendet werden.
Das bedeutet, dass Mais in Deutschland im Vergleich mit anderen Ackerkulturen am wenigsten behandelt wird. In Zahlen ausgedrückt: Mais hatte 2019 einen Behandlungsindex von 2,0. Winterweizen (5,3), Winterraps (7,5), Hopfen (12,9) und Äpfel (30,6) liegen beispielsweise sehr viel höher.

Ist Mais ein großer Wasserverbraucher?

Das ist heutzutage in weit verbreitetes Vorurteil, das Gegenteil ist aber der Fall. Tatsächlich benötigt Mais pro Kilogramm pflanzlicher Trockenmasse 100 bis 300 Liter Wasser – bei Weizen sind es 156 bis 410 Liter. Zudem sind Maispflanzen zu einer besonders effizienten Photosynthese in der Lage. Dadurch können sie Wasser besser verwerten als etwa Kartoffeln, Weizen oder Reis. Durch den Klimawandel und damit immer häufiger auftretender Trockenperioden und Dürren müssen sich Landwirte mit der Wassernutzungseffizienz von Pflanzen beschäftigten. Die kontinuierliche Weiterentwicklung von Maissorten soll unter anderem die Trockenheitsresistenz der Pflanzen verbessern, um den Wasserverbrauch noch weiter zu optimieren.

In sehr trockenen Jahren freut sich auch Mais über zusätzliche Beregnung, in der Regel benötigt er aber deutlich weniger Wasser als andere Getreidearten.

Viel Mais = viele Wildschweine?

In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Wildschweinpopulation in Deutschland vervierfacht. Großflächige Maisfelder sind für das Schwarzwild als Rückzugsort ideal. Dort können sie enormen Schaden anrichten und sind ideal vor Jägern geschützt, weil sie im hohen Mais nahezu unsichtbar sind. Aber ist der Mais selbst für die immer weiter wachsende Population wirklich der Grund? Das lässt sich nicht ganz eindeutig beantworten. Experten gehen davon aus, dass der rasche Anstieg der Wildschweinbestände bereits 20 Jahre früher hätte einsetzen müssen, wenn allein der zunehmende Maisanbau dafür verantwortlich wäre.
Die Gründe sind vielfältig und komplex und auch kein rein deutsches Phänomen. In den vergangenen 40 Jahren hat sich die Zahl der erlegten Wildschweine in ganz Europa verzehnfacht. Was der sehr anpassungsfähigen Schwarzwildpopulation vor allem hilft, sind die günstigen klimatischen Bedingungen – etwa das Ausbleiben überdurchschnittlich kalter Winter. Außerdem spielt das das klimabedingte fast ganzjährige Futterangebot eine wichtige Rolle für die hohen Zuwachsraten.

Sind Maisfelder ein Lebensraum für Tiere?

Wie schon geschrieben, ist Mais als landwirtschaftliche Nutzpflanze weit verbreitet und wurde in Deutschland im Jahr 2020 auf etwa 2,7 Millionen Hektar angebaut. Da er ab April in die Erde kommt und demensprechend erst im späten Frühjahr keimt und wächst, können beispielsweise Vögel ihn in dieser Zeit – anders als andere Getreidesorten – nicht wirklich als Brutstätte nutzen. Trotzdem gibt es Arten wie etwa den Kiebitz, der Maisfelder zur Brutzeit den deutlich dichteren Beständen wie Weizen und Raps vorzieht.

Aber wie sieht es eigentlich im weiteren Jahresverlauf aus? Tatsächlich ist es so: Wenn die anderen Kulturpflanzen im Sommer abreifen und geerntete werden, bietet Mais einen zunehmend dichter und höher wachsenden Schutzort. Zwischen den Pflanzen entsteht ein kühles Mikroklima mit zum Teil reichhaltigem Nahrungsangebot – zum Beispiel in Form von Blattläusen. Der Randbereich und die ersten 50 Meter der Maisfelder scheinen dabei für Vögel attraktiver zu sein als die Innenflächen. Solche Erkenntnisse dienen als Ansatzpunkt für die Verbesserung des Lebensraums für Vögel, indem man entsprechende Strukturen und Naturschutzmaßnahmen schafft.
Wichtig können Maisfelder auch nach der Ernte sein: Die Ernterückstände, die auf dem Feld bleiben, dienen Zugvögeln fürs Auftanken ihrer Reserven für die lange Reise.

Mais als „Grüne Brücke“
Mais ist aber nicht nur für Vögel und Wildschweine ein natürlicher Lebensraum. Insgesamt sind es mehr als 1.000 Kleintier- und Insektenarten, denen er besonders im Sommer, wenn das benachbarte Getreide geerntet wurde, als Nahrungsquelle und Rückzugsraum dient. Bis weit in den Herbst hinein sind Maisfelder für diese Lebewesen eine überlebenswichtige „Grüne Brücke“.


Droht uns die Vermaisung?

Der großflächige Maisanbau ist schon länger in die öffentliche Kritik geraten. Und keine Frage, wenn man durch Deutschlands Ackerbaugebiete fährt, scheint es manchmal so, als würde fast nur noch Mais angebaut. Ein Schlag mit den riesigen bis zu drei Meter hohen Pflanzen folgt dem nächsten. Täuscht das? Oder droht uns wirklich eine Vermaisung?
Tatsächlich ist es so, dass im Zuge der Energiewende die Biogaserzeugung gefördert wurde. Das hat dazu geführt, dass die Maisanbaufläche seit dem Jahr 2000 von 1,5 auf rund 2,5 Millionen Hektar angewachsen ist. Seitdem ist die Maisanbaufläche ungefähr gleich geblieben und belegt damit etwa 21 Prozent der Ackerfläche. Schaut man sich ganz Deutschland an, ist der Maisanbau jedoch sehr unterschiedlich konzentriert. Vor allem in Regionen mit vielen Rinderhaltern und Biogasanlagen sind die Maisanteile an der Ackerfläche hoch. Das ist besonders in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg der Fall. Schaut man auf die einzelnen Regionen bedeutet das: Es liegt zwar eine hohe Anbaukonzentrationen vor, einen Maisanteil von mehr als 50 Prozent gibt es aber nur in sehr wenigen Landkreisen. Wenn man die landwirtschaftliche Nutzfläche als Bezugsgröße nimmt, liegt der maximale Mais-Anteil bei 20 Prozent.

Maisschläge rechts und links vom Wegesrand können ganz schön massiv wirken.

Ein Blick auf die Anbaustatistik 2015 zeigt außerdem, dass eine weitere dynamische Ausdehnung des Maisanbaus unwahrscheinlich ist. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe: Zum einen hat der Gesetzgeber den Maiseinsatz für Biogas-Neuanlagen auf maximal 60 Masseprozent begrenzt. Zum anderen geht die Entwicklung von Alternativpflanzen zügig voran und durch Effizienzsteigerungen hat sich der Flächenbedarf von Biogas reduziert. Grundsätzlich ist ein nachhaltiger und umweltverträglicher Maisanbau mit hohen Maisanteilen in der Fruchtfolge möglich. Wissenschaftler der Universität Gießen empfehlen ab Maisanteilen von 40 Prozent an der Ackerfläche ausgleichende Maßnahmen wie den Anbau von Zwischenfrüchten oder Blühstreifen als Rand- und Zwischenstrukturen.

Ist Mais gut fürs Klima?

Bei Mais handelt es sich um eine sogenannte C4-Pflanze. Das bedeutet, dass er Sonnenenergie effektiver nutzt als andere Kulturpflanzen. Andere Getreidearten, Raps und sogar Bäume sind beispielsweise C3-Pflanzen. Einfach gesagt, bedeutet das, dass Mais vergleichsweise viel CO2 bindet, das sonst in der Atmosphäre verblieben wäre. Gleichzeitig gibt er Sauerstoff ab und produziert eine überdurchschnittlich große Menge Biomasse. Heißt das nun, dass Maisschläge klimafreundlicher sind als ein Wald? Nein, es kommt in Bezug auf den Klimawandel nämlich nicht auf die Tagesbilanz an, die beim Mais besser ist, sondern auf die langfristige Bilanz. Und da schneidet der Wald eindeutig besser ab. Denn die Lebensdauer von Mais ist kurz und der Ertrag wird gewöhnlich verfüttert oder anderweitig verwertet und dabei entsteht wieder CO2. Vor allem bei einem jungen wachsenden Wald ist die Bilanz über Jahrzehnte gesehen deutlich besser.

Du willst noch mehr wissen?

Das war jetzt ganz schön viel Input auf einmal? Kein Problem: Wenn du weitere Fragen hast, stell sie uns gern in den Kommentaren oder schreib eine Mail an moin@deichdeern.com. Außerdem findest du diese und weitere Fakten ausführlich erklärt auf der Maisfakten-Seite des Deutschen Maiskomitees e.V. (DMK).

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